{"corpus":"steiner","locus":"GA 71b/1918-05-03/p012","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Karl Lamprecht versucht hinauszukommen über die alte Ranke’sche und englische Geschichtsbetrachtung, die sich nur an äußere Dokumente hält. Er versucht, den Blick zu wenden auf die inneren Triebkräfte des historischen Werdens, auf dasjenige, was nicht in den äußeren Urkunden bloß zu suchen ist, sondern was gefunden werden kann, wenn man in das Seelenleben des Volkes eindringen will, die tieferen Kräfte sucht, die den historischen Werdegang bedingen. Da kommt ja Karl Lamprecht zu mancherlei recht Interessantem. Er kommt dazu, zu sagen: Wenn man zurückblickt auf die älteste Entwicklung des deutschen Volkes, so findet man bis ins dritte nachchristliche Jahrhundert in der Seele dieses Volkes entwickelt eine eigentümliche Art der Gemütskräfte und ihrer Wirkungen; untersucht man die verschiedenen Gebiete, auf denen sich diese Kräfte darlebten, in dieser alten Zeit, darlebten auf moralischem, kriegerischem, auf staatlichem, auf sozialem Gebiet, auf künstlerischem Gebiet, primitiv, wie es damals war, so muss man sagen: Die Menschen des deutschen Volkes lebten dazumal so, dass sie ihr soziales Zusammensein und ihr soziales Wirken gestalteten aus einer gewissen symbolistischen sinnbilderbildenden Gemütsart heraus. Nicht nur, dass man versuchte, in den primitiven Kunsterzeugnissen die Weltgeschehnisse in Sinnbildern darzustellen, man lebte sozusagen von Mensch zu Mensch auch so, dass die sinnbildlerische Gemütsart diese Erlebnisse gestaltete. Man stellte zum Beispiel sich zu den Führern des Volkes, dass man in diesen Führern des Volkes sah Sinnbilder des ganzen Volkstums, und das bedingt, meint Karl Lamprecht, dass dazumal auftauchte im moralischen, im sozialen Zusammensein dasjenige, was man als militärisch-kameradschaftliches Prinzip bezeichnen kann.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Der Mensch und das geschichtliche und moralische Leben der Menschheit nach Ergebnissen der Geisteswissenschaft","site_heading":null,"date":"1918-05-03","location":null,"word_count":247,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/71b/1918-05-03/p012","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/71b/1918-05-03/p012"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/71b/1918-05-03/p012","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}