Der Mensch und das geschichtliche und moralische Leben der Menschheit nach Ergebnissen der Geisteswissenschaft
Dann wird abgelöst, meinte Karl Lamprecht, dasjenige, was als innerer Impuls in dem geschichtlichen Werden lebt, durch eine andere Form der Gemütskräfte, die dann wirken in der Konfiguration der deutschen Entwicklung bis ins elfte Jahrhundert hinein. Abgelöst wird dieses Symbolistische, die Sinnbilder bildende Gemütsart von der typisierenden. Es wirkt nunmehr weniger die Phantasie, es wirkt die Vernunft. Die versucht, in den einzelnen Erscheinungen Typen zu geben, Repräsentanten eines Ganzen, nicht Sinnbilder, sondern Typen; auch in der einzelnen Persönlichkeit, die führend ist, sieht man den Typus für die übrigen Menschen. Das militärisch-kameradschaftliche Leben geht über, indessen diese Gemütsrichtung sich ändert, in das mehr genossenschaftliche Zusammenleben, wo also schon mehr in das Phantasievolle das Verständige, das Vernünftige hineinwirkt, auch in der sozialen, der moralischen Struktur des menschlichen Zusammenlebens. Aber die Impulse sind noch elementar, primitiv, aus dem Willen hervorgehend in dieser Zeit.
Cite:
GA 71b/1918-05-03/p013 · edition original