Der Mensch und das geschichtliche und moralische Leben der Menschheit nach Ergebnissen der Geisteswissenschaft

GA 71b/1918-05-03/p015 ·1918-05-03 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Dann finder Karl Lamprecht, indem er immer auch verfolgt, wie die verschiedenen künstlerischen Leistungen aus denselben Impulsen hervorgehen, dass in der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts einsetzt dasjenige, was er nun nennt das individualistische Zeitalter. Jetzt tritt — so sagt er - ein die Geltendmachung erst des einzelnen Menschen. Vorher wirkt der einzelne Mensch mehr aus dem Ganzen heraus, aus dem Ganzen, das in Konventionen [ge]fasst wird, zum Beispiel im letzten [Zeit]alter. Jetzt macht sich das Individuum geltend und im Individuum allmählich namentlich das verständige, das intellektuelle Element. Und ganz — bis zu einem gewissen Grad - interessant ist, wie Karl Lamprecht zeigt für einzelne Lebensgebiete, wie dieses Verständige mit dem Intellektuellen von der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts heraufkommt. Ganz interessant ist es, wenn Karl Lamprecht in Besonderheiten auf dieses Gebiet eingeht. Wenn er zum Beispiel zeigt, wie die diplomatisch-politischen Gestaltungen zwischen den verschiedenen Menschen in früheren Zeitaltern aus elementaren Willens- und Gemütsimpulsen hervorgegangen sind, während jetzt das Diplomatisch-Politische untertaucht in den Intellektualismus, vom Verstande bestimmt zu werden beginnt. Dieses Zeitalter lässt dann Karl Lamprecht dauern bis ungefähr in die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/71b/1918-05-03/p015.json
Cite: GA 71b/1918-05-03/p015 · edition original