Der Mensch und das geschichtliche und moralische Leben der Menschheit nach Ergebnissen der Geisteswissenschaft
Wilson weist darauf hin, dass diejenigen ganz falsche Ansichten haben über die Entwicklung der Amerikaner, die ausgehen davon, wie die Engländer, die sich in Amerikas Osten angesiedelt haben, diese Entwicklung des amerikanischen Volkswesens betrachten. Diese englische Art der Betrachtung weist Wilson ab; er weist auch diejenige ab, die mehr von den südlichen Staaten kommt; er weist darauf hin, dass dasjenige, was den Amerikaner zum Amerikaner gemacht hat, was den Nerv der Geschichte des amerikanischen Volkes bildet, in demjenigen liegt, was aufgekommen ist, was aufgetaucht ist, als der amerikanische Osten gegen den Westen vorgerückt ist, als dieses Völkergemisch, das sich da gebildet hat aus Skandinaviern, Engländern, Deutschen, Russen, lateinischen Völkern und so weiter, als dieses Völkergemisch sich von dem Osten nach dem amerikanischen Westen bewegte, dasjenige, was noch nicht urbar war, urbar machte, überwand die alte Wildnis. Nicht das, meinte er, was mitgebracht worden ist aus Europa, sondern was im Kampfe mit der Wildnis von einem Völkergemisch angeeignet worden ist, das bildet den Ausgangspunkt, das machte den Amerikaner, den er, wie man fühlen kann, treffsicher schildert, mit seinen beweglichen Augen, mit der abenteuerlichen Lust für alles das, was an abenteuerlichen Plänen schnell auftaucht und schnell ergriffen wird, mit der Heimatlosigkeit, die Pläne erweckt, die nicht an eine Heimat gebunden sind, sondern überall ausgeführt werden können, und so weiter, und so weiter. Der Viehtreiber, sagt er, nicht der Staatsmann, der Waldausreuter, der Jäger, nicht der Staatsmann habe dasjenige hervorgebracht, was aus dem Völkergemisch im Vorrücken von dem Osten nach dem Westen den Amerikaner im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts erst gebildet habe.
Cite:
GA 71b/1918-05-03/p020 · edition original