Der Mensch und das geschichtliche und moralische Leben der Menschheit nach Ergebnissen der Geisteswissenschaft

GA 71b/1918-05-03/p040 ·1918-05-03 · original (original)
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Und mit der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts tritt dasjenige ein, dass an die Stelle dieser instinktiven Verstandesseele - in der Geisteswissenschaft kann man sie auch Gemütsseele nennen -, dass an die Stelle dieser instinktiven Verstandesseele tritt dasjenige, was man nennen kann die Bewusstseinsseele, wo alles durch das individuelle Bewusstsein gehen muss, wo der Mensch überall den Begriff, den Gedanken hinstellen muss, wo das Instinktive nicht mehr so elementar in seiner Seele wirkt. Alles, was seit der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts geschehen ist- ich kann das hier nur in groben Konturen andeuten -, das ist nur zu verstehen, wenn man die erste Grundlage hat, wenn man diesen Umschwung, den ich angedeutet habe, wirklich hat. Da haben Sie einen Gesichtspunkt - ich kann nur Richtlinien angeben -, einen anderen Gesichtspunkt will ich angeben, der allerdings von den Menschen der Gegenwart noch phantastischer angesehen wird, dass er tief in einer wahrhaftigen, nicht dilettantischen, sondern schwer zu erringenden Wissenschaftlichkeit, von deren Existenz die meisten noch keine Ahnung haben, gewonnen ist. Das wird man schon im Laufe der Zeit erkennen, wie man erkannt hat, dass nicht die alte Weltanschauung der vorkopernikanischen Zeit, sondern die kopernikanische Weltanschauung für die neuere Zeit die geeignete ist.

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