Der Mensch und das geschichtliche und moralische Leben der Menschheit nach Ergebnissen der Geisteswissenschaft
Sie sehen daraus: Geht man auf die wirklichen Gesetze des geschichtlichen Werdens im Großen der Menschheitsentwicklung ein, so kann man ja nicht in Betracht ziehen die Psychologie, die Seelenkunde des einzelnen Menschenindividuums, wie es Karl Lamprecht tut; denn das Seelische in der Menschheitsentwicklung, man hat es in den Zeiten, wo man das tat, was Karl Lamprecht will, man hat es so getan, dass man sagt: Nun, in alten Zeiten ist die Menschheit in der Kindheit; dann kommt sie in die Jugend, und dann ins reifere Alter; dann wird sie alt. Gerade das Umgekehrte ist wahr für die Wirklichkeitsforschung. Die Menschheit bleibt jung in der ersten Zeit bis ins höchste Alter, das heißt sie erreicht in Jugendfrische ein hohes Alter und wird immer jünger und jünger mit ihren maßgebenden Kräften, das heißt kommt immer mehr und mehr zur Entwicklung, die auf die Jugend angewiesen ist, der das Alter nichts mehr gibt.
Cite:
GA 71b/1918-05-03/p047 · edition original