Der Mensch und das geschichtliche und moralische Leben der Menschheit nach Ergebnissen der Geisteswissenschaft
Ich möchte nur ein Ereignis anführen. Diejenigen der Zuhörer, die seit Jahren - es sind ja über 14, 15 Jahre in jedem Winter hier meine Vorträge gehört haben, die wissen, wie wenig ich geneigt bin, auf Persönliches in diesen Vorträgen einzugehen; aber hier ist das Persönliche oft auch sachgemäß. Wenn ich etwas Persönliches anführen darf, so mag es das Folgende sein: Ich versuchte selbst mit Bezug auf die größten geschichtlichen Ereignisse des Erdenwerdens objektiv zu bleiben, so objektiv zu bleiben, wie es nur irgend möglich ist. Ich ging da von keinem Vorurteil aus. Und als ich nach jahrzehntelanger Forschung fand das Gesetz dieses geschichtlichen Werdens der Erdenmenschheit, wie ich es dargestellt habe, dieses Gesetz vom Jüngerwerden der Menschheit, nach dem man sich sagen muss: Es gab ein Zeitalter, da war die Menschheit entwicklungsfähig bis in die Fünfzigerjahre hinein, bis in die Vierzigerjahre, dann in die Dreißigerjahre hinein und so weiter und in der griechischen Zeit war sie ungefähr entwicklungsfähig bis zum 35. Jahre. Im siebten und achten Jahrhundert dann bis zum 34., 33. Jahre dann zurück bis zum 28. Jahre. Da sind wir ungefähr in der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts. Da endet das instinktive Verstandeswissen in der menschlichen Seele.
Cite:
GA 71b/1918-05-03/p049 · edition original