Der Mensch und das geschichtliche und moralische Leben der Menschheit nach Ergebnissen der Geisteswissenschaft
Nun sagte ich mir: Da tritt ein Zeitpunkt ein, wo die Menschheit in der Mitte ihrer Entwicklung steht, wo die Menschheitsentwicklung in einem besonderen Punkte steht. Einmal war in diesem griechisch-römischen Zeitalter die Menschheit von dem Älter- und immer Jüngerwerden 33 Jahre alt; da musste ein neuer Impuls kommen, wenn die Menschheit nicht verlieren sollte den Zusammenschluss mit der geistigen Welt. Denn dieses Geistige geht dem Menschen vorzugsweise dann auf, wenn er in sich selber sieht im Erleben geistig-seelisch den leiblich-körperhaften Verfall, wie es in alten Zeiten war. Dieser geistige Impuls kam. Er soll vertieft werden durch die neuere Geisteswissenschaft. Denn dasjenige, was der Mensch nicht mehr holen kann aus seinem Körperhaften heraus, das muss der Geist dem Menschen durch geisteswissenschaftliche Erkenntnis geben als Geistiges, [um] bis in das höchste Alter hinauf ihn entwicklungsfähig erhalten. Aber dazu musste ein besonderer Impuls in einem besonders wichtigen Augenblick der Geschichte kommen, als die Menschheit, von oben heruntergehend, das 33. Jahr erreicht hatte. Und merkwürdig steht wie das größte Symbolum in der Menschheitsentwicklung da der neue Impuls von Golgatha, der Christusimpuls. Von dem 33-jährigen Christus Jesus geht im dreiunddreißigsten Lebensjahr der Menschheit der größte Impuls, der über die Erdenentwicklung gegangen ist, aus. Ich bin nicht darauf ausgegangen, sehr verehrte Anwesende, den Christusimpuls als Erstes anzusehen und ihn künstlich hineinzustellen. Ich wusste nichts von diesem Hineingestelltsein in dieser Weise. Mir ergab sich zuerst dieses Gesetz, wie ich es vorhin auseinandergesetzt habe, und dann musste ich im Lichte dieses Gesetzes den Christusimpuls schauen.
Cite:
GA 71b/1918-05-03/p050 · edition original