Das geschichtliche Leben der Menschheit im Lichte übersinnlicher Wirklichkeitsforschung

GA 71b/1918-05-29/p017 ·1918-05-29 · original (original)
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Nun ist es sehr merkwürdig, dass Karl Lamprecht in die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts den bedeutsamsten Zeitpunkt der Geschichte verlegt, denn es beginnt mit dem fünfzehnten Jahrhundert der geschichtliche Impuls. Lamprecht sagt: In der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts tritt ein die Entwicklung der deutschen Geschichte -, und er glaubt, dass ein solcher Verlauf auf die geschichtliche Entwicklung des ganzen Volksstammes sich anwenden lässt, dass die Menschen jetzt nicht mehr als Typus oder konventionell auftreten, sondern dass der Mensch nunmehr eine Individualität ist und als solche sich hineinstellt in den geschichtlichen Verlauf und in die soziale Ordnung. Dieses [individuelle] Zeitalter dauert nach Ansicht des Karl Lamprecht bis zum achtzehnten Jahrhundert, und dann beginnt jenes Zeitalter, in dem wir stehen, das [subjektive] Zeitalter, wo immer mehr in das geschichtliche Leben das eingeführt wird, was der Mensch erlebt und was ihn nicht von außen bestimmt, sondern was ihn in seinem Innern berührt. Damit treten mehr verständliche Elemente in den Lauf der geschichtlichen Erkenntnis ein, das gebildete Publikum beginnt eine Rolle zu spielen, während man es früher im symbolischen und konventionellen Zeitalter mehr zu tun hatte mit elementaren Kräften, die, instinktiv aus dem Innern des Menschen kommend, das Wollen und die soziale Struktur beeinflusst haben.

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