Das geschichtliche Leben der Menschheit im Lichte übersinnlicher Wirklichkeitsforschung

GA 71b/1918-05-29/p026 ·1918-05-29 · original (original)
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Und da tritt gerade in diesem Beispiele etwas ganz Merkwürdiges hervor. Wenn ich Lamprechts Art und Weise betrachte, und ich spreche nicht vom nationalen Standpunkte, sondern nur vom Standpunkte der objektiven Wissenschaft - wenn ich also Lamprechts Geschichtsbetrachtung ansehe, so sehe ich trotz aller Fehler, wie die Menschen schwer ringen, wie sie sich schwer erkämpfen das, zu dem sie vordringen wollen. Es sind vielleicht weniger Begriffe als bei Wilson, aber er kämpft, und man merkt es ihm an an der Art, wie gesprochen wird, dass von Satz zu Satz die kämpfende Seele sich das erwirbt, was sie vielleicht als falsche Ansicht hinstellt, was sie aber erlebend sich errungen hat. Und insbesondere ist das bei der glänzenden Art Herman Grimms [auf dem Gebiete der Kunst] der Fall. Und ich sage mir trotz allem objektiven Aussehen: Die Aussprüche, die mir lieb und wert sind und die ich bei Lamprecht wie bei Grimm finde, sie machen bei Wilson einen ganz anderen Eindruck. Ich frage mich, und ich wage es zu beantworten: Alles, was bei Wilson hervortritt, ist, wie wenn er instinktiv zum Richtigen hingetrieben werden würde, aber es macht nie den Eindruck, dass es sein Erleben ist, sein Erstreben und Erwerben, es macht nur den Eindruck, dass es - trotzdem es auf die praktische Wirklichkeit gerichtet ist - doch nicht aus der Tiefe der Seele auftaucht, sondern wie wenn dasjenige, was Wilson ausspricht, eine Selbstsuggestion wäre, eine Art des Unterbewusstseins. Ich glaube, ich habe gestern hier das Recht erworben, diesen Ausdruck zu gebrauchen. Wilson nimmt sich nicht so aus [in seiner Geschichtsbetrachtung], wie wenn er Stück für Stück der Seele ergründen würde, sondern es macht den Eindruck, als ob er aus dem Untergrunde der Seele das geoffenbart bekäme, wie wenn er von seinen Lehren besessen wäre, als ob sein Inneres ihm das suggerieren würde.

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