Das geschichtliche Leben der Menschheit im Lichte übersinnlicher Wirklichkeitsforschung
Man könnte da auch andere, auch asiatische Betrachter des Lebens anführen; ich will nur den Rabindranath Tagore nennen, der unter anderem, was er über den Geist Asiens gesprochen hat, eine solche zusammenfassende Darstellung geliefert hat. Er hat auch gesprochen über den Geist Japans, aber aus seiner Darstellung geht noch etwas ganz anderes hervor. Es geht hervor, dass dieser Mann, der, ebenso wie Lamprecht und Grimm im deutschen und Wilson im amerikanischen Leben, im asiatischen steht, als gebildeter Vertreter der asiatischen Kultur angesehen werden muss. Wer diesen Mann in seinem Leben betrachtet, der bekommt den Eindruck, er möchte den Inhalt, die ursprüngliche Quelle des indischen und japanischen Lebens erforschen, indem er weniger Wert legt auf das, was Japan und Indien in der neueren Zeit erlebt haben, sondern dem nachforscht, was die eigentlichen Quellen sind. Er hat eine eigentümliche Art, die menschliche Kultur zu bewundern; Rabindranath Tagore sagt, es soll für sein Volk eigentlich keine Geschichte geben, es soll die menschliche Seele unberührt bleiben in ihrem inneren Leben von demjenigen, was in der unmittelbaren Gegenwart die Menschen bewegt. Es geht seine Darstellungsart über die ganze Erde, und diejenigen, die tiefer blicken, wissen, dass unsere schwere Katastrophe, mehr als man glaubt, nicht von den Dingen abhängt, von denen sie heute so viel abhängig geglaubt wird, sondern von den seelischen Impulsen der über die ganze Erde wohnenden Völker.
Cite:
GA 71b/1918-05-29/p028 · edition original