Das geschichtliche Leben der Menschheit im Lichte übersinnlicher Wirklichkeitsforschung

GA 71b/1918-05-29/p039 ·1918-05-29 · original (original)
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So wird aber Geschichte nicht geschrieben, so wird das geschichtliche Leben zu einem Leichnam gewandelt, denn erst die Impulse, die ihm zugrunde liegen, müssen erweckt und entdeckt werden. Wenn die Geschichte als etwas Lebendes aufgefasst werden soll, dann ist sie nicht naturgeschichtlich zu erfassen, aber Gibbon ist es niemals gelungen, so etwas richtig zu erfassen wie die aufsteigenden Kräfte des Christentums, die als lebende Kräfte hineinragen in die Geschichte der damaligen Zeit. Darum müssen wir uns darüber klar sein, wie man wirkliche geschichtliche Kräfte zu erfassen vermag, und wir sehen, dass man auf dasjenige zurückgehen muss, was dem menschlichen Leben unterbewusst ist, was in das Gemüt und den Willen hineinspielt auf die Art, wie ich das dargestellt habe. Daher kann man niemals mit gewöhnlicher naturwissenschaftlicher Methode das, [was in der Geschichte fruchtbar ist], erfassen, also auch nicht diejenigen Kräfte, die zur Lebenspraxis führen, mit denen man sich dem Leben gegenüberstellen kann und mit denen man beurteilen kann: Das und das hat uns das Leben gelehrt.

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