Geisteswissenschaftliche (Anthroposophische) Forschungsergebnisse Über Das Ewige In Der Menschenseele Und Über Das Wesen Der Freiheit
Damit habe ich vergleichsweise darauf hingewiesen, wie der Freiheitsbegriff dadurch einen Sinn erhält, daß wir von anderer Seite her dazu kommen, dieses Seelenleben wirklich zu erklären: nicht bloß zugeordnet Leibesverhältnissen, sondern zugeordnet dem selbständigen Geistesleben, das durch Geburten und Tode geht. Diese geistig-seelische Wesenheit des Menschen ist es, der wir die Freiheit zuschreiben können. Freiheit wurde immer so behandelt in den Philosophien, daß man von einem Entweder-Oder sprach: Entweder ist der Mensch frei, oder er ist unfrei. Ich habe schon, indem ich nur von der philosophischen Seite her die Freiheitsfrage in Angriff genommen habe, in meiner «Philosophie der Freiheit» sie ist 1894 erschienen, heute allerdings vergriffen, aber in den Bibliotheken einzusehen — gezeigt, daß man dem Freiheitsbegriff beikommt, wenn man das selbständige Seelenleben ins Auge faßt. Dieses selbständige Seelenleben wird aber im Laufe der physischen Menschheitsentwickelung nach und nach erst errungen. Man kann nicht davon sprechen: Der Mensch ist entweder frei oder nicht frei. Sondern man kann nur davon sprechen: Freiheit ist etwas, was der Mensch im Lauf seiner Entwickelung erwirbt, dem er sich immer mehr und mehr nähert — dadurch nähert, daß er dem innerlichen geistig-seelischen Wesen auch die Kräfte zuführt, die dieses Wesen in sich selber so erstarken, daß es Ursächlichkeit entwickeln kann für das menschliche Handeln, für das menschliche Wollen, trotzdem auf der anderen Seite, von anderer Richtung her, diese Ursächlichkeit im menschlichen Leibe liegt.