Geisteswissenschaftliche Ergebnisse über die Ideen der Freiheit und des sozial-sittlichen Lebens
Daher wird der Geistesforscher den Traum niemals so betrachten, daß er folgendes außer acht lassen wird: Wenn jemand etwas träumt, so liegt dem Traume ein geistiges Faktum zugrunde, aber die Traumbilder, die erlebt werden, als im Traume erlebt erzählt werden, die könnten ganz andere sein. Ein Mensch kann dasselbe erleben wie ein anderer im Traume; aber er kann den Traum ganz anders, radikal anders erzählen, weil seine Traumbilder ganz andere Bedeutung haben. Auf was kommt es beim Traume dem Geistesforscher an? Nicht darauf kommt es ihm an, die Traumbilder als solche zu verfolgen - ob man sie nun in ihrer Wirklichkeit oder in ihrer Symbolik erfaßt-, sondern auf die innere Dramatik des Traumes: wie ein Bild auf das andere folgt, ob ein Bild das nächste ablöst, also eine Entspannung ist oder eine Beängstigung und dergleichen. Diese innere Dramatik, die die Seele ganz unterbewußt durchlebt, gibt sich nur dadurch dem gewöhnlichen Bewußtsein kund, daß sich das unterbewußt Erlebte in die Reminiszenzen des Alltagslebens kleidet. In Bildern umkleidet sich dasjenige, was da in seinem Unterbewußten als die seelische Dramatik in diesen Bildern arbeitet.