{"corpus":"steiner","locus":"GA 72/1917-11-30/p056","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Für den Geistesforscher stellt sich sogleich ein anderer Gedanke hin, weil er lebendig, wirklich denkt und nicht abstrakt. Man kann ja sogar ganz gut das Beispiel von einem jungen Menschen nehmen von vierzehn Jahren, wie er sich verändert hat bis zum achtzehnten Jahre, und so diese kleinen Veränderungen dann zusammenstellen, nach der Methode, wie es Professor Dewar gemacht hat, und nun ausrechnen, wie dieser Menschenorganismus sein muß nach dreihundert Jahren. Es ist ganz dieselbe Methode. Nur lebt der Mensch nach dreihundert Jahren als physischer Mensch nicht mehr! Dem Geistesforscher stellt sich dies sogleich hin. Die Betrachtungsweise ist ganz richtig, nimmt alle naturwissenschaftlich-physikalischen Schikanen in Anspruch. Es ist gar nichts dagegen einzuwenden, sie ist ganz richtig. Man darf sie nicht als falsch hinstellen, aber sie ist nicht wirklichkeitsgemäß, dringt nicht ein in das Wirkliche. Ebenso könnte man zurückgehen von den Veränderungen, die der menschliche Organismus durchmacht, und dann von diesen Veränderungen aus sich fragen: Wie war das vor dreihundert Jahren? Man wird etwas sehr Nettes herausbekommen — nur hat der Mensch nicht gelebt vor dreihundert Jahren! Aber nach diesem Muster bildet sich derjenige, der Theorien bildet, seine Beispiele. Die Kant-Laplacesche Theorie von dem Urnebel — sie hat ja mannigfaltige Modifikationen erfahren, die man alle kennen kann-, aber dasjenige, was ihr prinzipiell zugrunde liegt, das ist für den Geistesforscher ein unerlaubter Gedanke, weil ebensowenig, wie der Mensch vor dreihundert Jahren physisch gelebt hat, wenn man auch seinen früheren und späteren Zustand ganz richtig berechnet hat, ebensowenig die Erde gelebt hat in der Zeit, für die die Kant-Laplacesche Theorie vom Urnebel aufgestellt wird; und das Sonnensystem nicht vorhanden war. Das habe ich nur als Beispiel angeführt, wie Vorstellungen ganz richtig sein können, absolut aus richtigen Grundlagen abgeleitet sein können, wie sie aber trotzdem nicht wirklichkeitsgemäß zu sein brauchen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Geisteswissenschaftliche Ergebnisse über die Ideen der Freiheit und des sozial-sittlichen Lebens","site_heading":null,"date":"1917-11-30","location":null,"word_count":295,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/72/1917-11-30/p056","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/72/1917-11-30/p056"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/72/1917-11-30/p056","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}