Geisteswissenschaftliche Ergebnisse über die Ideen der Freiheit und des sozial-sittlichen Lebens

GA 72/1917-11-30/p060 ·1917-11-30 · original (original)
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Nun aber möchte ich auch noch die andere Seite des menschlichen Bewußtseins mit einer kurzen Bemerkung streifen. Was geschieht denn, wenn der Mensch nun wirklich dasjenige, was sonst immer im Unterbewußten bleibt, was verträumt, was verschlafen wird, wenn er das durch solche inneren Vorgänge, wie Sie sie geschildert finden in meinen Büchern, nun wirklich ins Bewußten heraufhebt? Wenn darüber ein Bewußtsein entsteht, so wie es im gewöhnlichen Bewußtsein des Tages nur vorhanden ist für das Sinnes- und Vorstellungsleben, da lernt der Mensch dann tatsächlich zum Beispiel dasjenige kennen, was in seinen Willensimpulsen sonst nur verschlafen wird. Aber wie man, wenn man auf das Schlafleben sich hinrichtet, erkennen lernt, daß das Ich-Bewußtsein abhängig ist vom Schlafesleben, so lernt man, in einer anderen Weise, durch die wirkliche Heraufhebung des Willenslebens aus dem Unterbewußten ins Bewußte erkennen, daß man dann, wenn man dieses Willensleben immer vor sich hätte, wenn man das Willensleben nicht verschlafen würde, ein ganz anderes Bewußtsein hätte, jenes Bewußtsein, das wirklich in einer gewissen Weise der Geistesforscher entwickelt. Das, was in uns will, und in gewisser Beziehung auch dasjenige, was unserem Fühlen entspricht, was in den Gefühlsimpulsen lebt, das würde, wenn der Mensch es so vor sich hätte wie sein Vorstellungsleben, auf ihn wirken wie ein anderer, wie wenn er einen zweiten, einen anderen Menschen in sich hätte. Der Mensch würde mit einem anderen Menschen herumgehen. Und man kann sagen: Es ist im weisheitsvollen Entwickelungsplan so eingerichtet, daß das einheitliche Bewußtsein, das der Mensch braucht für sein Leben zwischen Geburt und Tod, möglich gemacht wird dadurch, daß das Willensleben hinunter in den Schlaf gedrängt ist, er also nicht entzweigespalten wird dadurch, daß er den anderen immerfort anzuschauen hat, der eigentlich in ihm will. Dieser andere hängt nämlich wiederum zusammen mit dem urewigen Wesenskern des Menschen, mit dem von der Leiblichkeit freien, urewigen Wesenskern des Menschen, mit dem, was nicht durch die Leiblichkeit wirkt.

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Cite: GA 72/1917-11-30/p060 · edition original