Geisteswissenschaftliche Ergebnisse über die Ideen der Freiheit und des sozial-sittlichen Lebens

GA 72/1917-11-30/p067 ·1917-11-30 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Interessant war mir immer — ich darf diese persönliche Bemerkung machen; es sind jetzt mehr als dreißig Jahre, daß ich mich intensiv mit diesem Problem befasse, es von allen Seiten zu erforschen gesucht habe -, interessant war mir, wie es strahlende Lichter hingeworfen hat auf ein Rätsel, wenn Herman Grimm im Gespräche mit mir öfter gesagt hat: Wendet man die gewöhnlichen Begriffe, die naturwissenschaftlichen Begriffe auf das geschichtliche Leben an, so daß sie tauglich sein sollen, so kommt man keinen Schritt weiter. Will man das geschichtliche Leben erfassen, will man hineinschauen in die Impulse, die darin wirken, dann kann man das nur mit der Phantasie. Herman Grimm war noch kein Geistesforscher, lehnte die Dinge ab; aber er meinte, man kann dieses geschichtliche Leben nur ergreifen mit der Phantasie. Nun, mit der Phantasie kann man es auch nicht ergreifen. Aber Grimm war doch wenigstens eine Persönlichkeit, die wußte: Man kann nicht mit den gewöhnlichen Begriffen hineinkommen in das geschichtliche Leben.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/72/1917-11-30/p067.json
Cite: GA 72/1917-11-30/p067 · edition original