Geisteswissenschaftliche Ergebnisse über die Ideen der Freiheit und des sozial-sittlichen Lebens
Und wie ich gestern am Schlusse einen solchen Ewigkeitsgeist erwähnte, so sei heute derselbe erwähnt: Goethe. Er hat sich auch mit Geschichte befaßt, mit der Anschauung in der Geschichte. Er hat gefühlt, obwohl er noch nicht Geisteswissenschaft gehabt hat dazumal — die Zeit dazu war noch nicht gekommen in seinem Zeitalter —: In dem, was im geschichtlichen Leben pulsiert, ist nicht dasjenige enthalten, was in die Begriffe hineingebracht werden kann, die sich im gewöhnlichen Vorstellen und gewöhnlichen Sinneswahrnehmen eröffnen. Er hat gefühlt: Was in der Geschichte lebt, auch das Große, was in der Geschichte lebt, enthält Impulse, die anders sind als das abstrakte Vorstellen des gewöhnlichen Geisteslebens. Deshalb hat Goethe das bedeutende Wort über die Geschichte ausgesprochen: «Das Beste, was wir von der Geschichte haben, ist der Enthusiasmus, den sie erregt» -, ein Gefühl, das sie erregt, wenn man untertauchen kann in das geschichtliche Werden und nicht etwas herunterholt wie die Theoretiker des gewöhnlichen Bewußtseins, sondern wenn man solches hervorholt, das nicht bloß zum Vorstellen und Sinneswahrnehmen spricht, sondern das zu dem spricht, was in den gefühlsmäßigen Impulsen erträumt, was in den willensmäßigen Impulsen sogar verschlafen wird. Dann hat man das, was in der Geschichte lebt, nicht den Leichnam der Geschichte.