Ist Eine Übersinnliche Erkenntnisweise Wissenschaftlich zu Begründen?

GA 73/1918-10-08/p015 ·1918-10-08 · original (original)
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Und auch da entdeckt der Geistesforscher, daß sich eine bedeutsame menschliche Erkenntnisgrenze ergibt. Gewiß, der mystische Weg, der den Menschen hinunterführen soil in die Untergründe der Seele, bietet innere Seligkeiten; er bietet auch etwas wie eine Aussicht, sich zu vereinigen mit den geistigen Weltenkräften des Daseins. Allein der Geistesforscher muß vorurteilslos die mystischen Erlebnisse verfolgen, und gerade dann findet er, daß sein Weg der Weg gewöhnlicher Mystik nicht sein kann; denn diese Mystik kann vor allen Dingen nicht über das Wesen des Menschen selbst aufklären. Warum nicht? Man findet wiederum, indem man mystisch untertaucht in das eigene Innere, gewisse, ich möchte sagen Rückschlagekräfte. Man kann nicht hinunter. Und derjenige, der so ernst, wie es die hier gemeinte Geistesforschung will, Seelenbeobachtung treibt, der wird kritischer, als es der gewöhnliche Mystiker ist. Der gewöhnliche Mystiker glaubt sehr oft, wenn er untertaucht in die Untergründe seiner Seele, da fände er irgend etwas, was aus einer höheren Welt in diese Untergründe der Seele hineinleuchte, so ohne weiteres auf dem Wege des gewöhnlichen mystischen Hellsehens. Der Geistesforscher, der sich Kritik angeeignet hat, weiß, wie eigentlich für das gewöhnliche Bewußtseinsleben dasjenige verwandelt wird, was schon in der Seele an Erinnerungen, an Reminiszenzen von Erlebnissen vorhanden ist, wie dasjenige, was so vorhanden ist, wirkt und webt. Man glaubt, daß dieses, was im Grunde aus verborgenen, unterbewußten Erinnerungen herauskommt, was aus Erlebnisreminiszenzen heraufsprudelt, wie das etwas Fremdes ist, das uns auf dem Wege der Mystik in eine höhere Welt hineinführt. Man lernt gerade durch Geistesforschung fein erkennen, wie man im Grunde nichts anderes findet, wenn man da hinuntertaucht, als sein eigenes Leben und Weben. Dieses Leben und Weben muß allerdings vielfach verändert werden. Dadurch erkennt man nicht wieder, was man vor Jahren erlebt hat. Es tritt in anderer Form auf. Man hält es für ein ursprüngliches Erlebnis. Die Täuschungsquellen auf diesem Gebiete sind ungeheure.

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Cite: GA 73/1918-10-08/p015 · edition original