{"corpus":"steiner","locus":"GA 73/1918-10-08/p020","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Anders wird die Sache, wenn wir die Wahrnehmung verlassen. Wir tun das ja auch als Menschen. Wir nehmen nicht bloß wahr, sondern wir sehen manchmal auch etwas von der Wahrnehmung ab. Wir denken dann nach, wie wir sagen, wir denken weiter. Nun leben wir heute in einem Zeitalter, wo man dieses Weiterdenken, dieses Denken, ohne daß man wahrnimmt, dieses auf die Wahrnehmung folgende Denken, nicht besonders aufbauen kann auf Grundlage desjenigen Denkens, das man sich auch herandisziplinieren kann an der strengen Naturwissenschaft. Und ich spreche hier insbesondere jetzt von einem Nachdenken, das nicht auf beliebige Weise erwachsen ist, sondern das gerade demjenigen sich ergibt, der sich gewöhnt hat an strenge naturwissenschaftliche Naturbeobachtung und Verarbeitung dieser Beobachtung. Von diesem Denken, das man in sich heranerziehen kann durch naturwissenschaftliche Beobachtung, wenn man dies dann weiterführt ins Nachdenken hinein, von dem spreche ich. Von jenem Denken spreche ich, das dann verläuft, wenn man sich zurückzieht von der Beobachtung, aber mit dem vollen Bewußtsein sich zurückzieht, indem man auch wieder hinblickt auf dasjenige, was die Naturbeobachtung gibt, von diesem Denken spreche ich. Wenn man sich mit diesem Denken wiederum so recht hineinlebt in das Wesen der Geistesforschung -— in ihr beruht alles auf Beobachtung -, ergibt sich nun eine Erfahrung, von der nichts Geringeres zu sagen ist, als daß Jahrhunderte sich über diese Erfahrung eine falsche Vorstellung gebildet haben. Gerade bei den auserlesensten Menschen, bei dem scharfsinnigsten Weltanschauungsdenken ist über das Erlebnis, das die neuere Geistesforschung feststellen muß, mit diesem eben charakterisierten Nachdenken eine irrtümliche, eine verhängnisvolle Anschauung entstanden.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Ist Eine Übersinnliche Erkenntnisweise Wissenschaftlich zu Begründen?","site_heading":null,"date":"1918-10-08","location":null,"word_count":255,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/73/1918-10-08/p020","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/73/1918-10-08/p020"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/73/1918-10-08/p020","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}