{"corpus":"steiner","locus":"GA 73/1918-10-08/p032","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Allerdings, das Traumgebiet ist ein geheimnisvolles, und wer sich darauf einläßt mit wirklichem gesundem Forschersinn, wird ungeheuer vieles finden; allein es ist auch ein solches, das alle diejenigen anzieht, die in scharlatanhafter oder in abergläubischer Weise sich in die übersinnliche Welt hineinfinden wollen, das daher besondere Vorsicht fordert. Vor allen Dingen muß gesagt werden, daß derjenige, welcher die Traumwelt mit Bezug auf den Inhalt der Träume erforscht, vollständig fehlgeht. Das tut man heute vielfach. Ganze wissenschaftliche Richtungen sind deshalb mit unzulänglichen Mitteln begründet worden. Wer das Traumleben seinem Inhalte nach verfolgt, wird gerade durch eine scharfe Beobachtung zu der Erkenntnis kommen müssen, daß vom Einschlafen bis zum Aufwachen, wenn das vollbewußte Denken schweigt, irgend etwas geschieht; wir können nicht sagen, ob im Menschen, ob außen in der Welt; irgend etwas geschieht, was in den Träumen heraufwogt. Aber was da geschieht, das versteht der Mensch zunächst nicht. Das tritt sogar nicht einmal herein in sein Bewußtseinsleben. Unbewußt überzieht er sich das, was in sein Bewußtsein nicht hereinkommt, mit den Reminiszenzen seines gewöhnlichen Bewußtseins, mit Erinnerungen, mit Gedächtnisbildern, die man immer finden kann, wenn man nur genau genug forscht. Daher ist derjenige, der in der Weise oder in der Absicht, sei es durch den Traumwunsch, sei es durch die Reminiszenz, aus dem Inhalte der Träume irgend etwas gewinnen will, auf dem Holzwege. Nicht darum kann es sich handeln, irgend etwas erforschen zu wollen, was dem Inhalt der Träume entspricht. Dieser Inhalt der Träume sagt über die Träume eigentlich nicht viel mehr aus als ein Kind, das über die Natur etwas aussagen will. Wie wir uns nicht an das kindliche Bewußtsein wenden, wenn wir etwas von der Natur uns erklären wollen, sondern an dasjenige Bewußtsein, das die Natur beobachtet hat, so können wir uns auch nicht an die Aussagen des Traumes wenden, wenn wir dasjenige Gebiet erforschen: wollen, das unter der Oberfläche des Traumes webt und west.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Ist Eine Übersinnliche Erkenntnisweise Wissenschaftlich zu Begründen?","site_heading":null,"date":"1918-10-08","location":null,"word_count":314,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/73/1918-10-08/p032","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/73/1918-10-08/p032"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/73/1918-10-08/p032","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}