Ist Eine Übersinnliche Erkenntnisweise Wissenschaftlich zu Begründen?

GA 73/1918-10-08/p036 ·1918-10-08 · original (original)
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Man lernt erkennen, daß der Mensch ein unbewußtes Antipathiegefühl nicht heraufkommen lassen will aus gewissen unterirdischen Tiefen, mit denen er zusammenhängt. Indem der Traumimpuls anschlägt an unser Seelenwesen, versetzt er die Seele in ein unterbewußtes Antipathiegefühl, man könnte sagen, zunächst in ein Gefühl — so sonderbar das klingt, es ist wahr — der Übersättigung, das sich vergleichen läßt mit jenem Ekel, den der Mensch hat, wenn er vor der Übersättigung steht. Und der Mensch läßt so gewisse unbewußte Impulse dieses Antipathiegefühles, das er hat, nicht heraufkommen, sondern unterdrückt sie gerade durch Vorstellungen, die er aus seinem eigenen Seelenleben heraufwebt über das Traumesbewußtsein. Und überwinden, genau erkennen lernen, eine richtige Stellung bekommen zu dem, was sich da zunächst durch Antipathiegefühle ankündigt, kann man nur, wenn man jetzt diese Seelenverfassung, die man auf der einen Seite durch Meditation, auf der anderen Seite durch die eben geschilderte Kontemplation herbeigeführt hat, anwendet, um das Denken, von dem man wirklich erkannt hat, daß es einen ins Nichts führt, zu verbinden mit dem, wovor man zunächst unbewußte Antipathie empfindet. Diese zwei Dinge lassen sich verbinden, dieses Denken, von dem wir sagen müssen: Ich denke, also bin ich nicht -, das nicht eintreten kann in ein solches inneres Seelenerleben, das ähnlich wäre der äußeren Sinneswelt; es tritt ein in dasjenige Erleben, das uns wird, wenn wir die eben geschilderte Antipathie zunächst überwinden werden. Und wer beides verbindet, dasjenige, was antipathisch empfunden wird, daher mit den Träumen zugedeckt wird, mit dem, was im Hunger, also in einer unterbewußten Sympathie empfunden wird mit irgend etwas, was man nicht kennenlernt, wenn man die Kontemplation nicht kennenlernt, wer beides miteinander verbindet, der ist in der übersinnlichen Welt. Er findet durch das Denken, das ihn zunächst an furchtbare Klippen gebracht hat, das ihn zunächst an den Abgrund des Nicht-Seins schien hinab zustürzen, er findet mit diesem vollbewußten, gerade an der Naturwissenschaft herangezüchteten Denken, in dem Vorstellen, wovor der Mensch sich so stark scheut, daß er es mit Träumen übergießt, er findet die übersinnliche Welt. Der Gang in die übersinnliche Welt ist ein solcher, der innig zusammenhängt, wie Sie sehen, mit inneren seelischen Erlebnissen, die nur gesucht werden müssen aus der Natur der menschlichen Organisation selbst heraus. Und sehen Sie, diese nehmen sich sehr wenig ähnlich aus demjenigen, was man eigentlich heute gewöhnlich erwartet. Was müssen die Menschen gerade in der Gegenwart für Enttäuschungen erleben mit dem, was sie erwartet haben! Wer hat vor 1914 dasjenige erwartet, was jetzt über die ganze Welt gekommen ist!

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Cite: GA 73/1918-10-08/p036 · edition original