Ist Eine Übersinnliche Erkenntnisweise Wissenschaftlich zu Begründen?
Wir haben gesehen, warum Grenzen da sein müssen: weil der Mensch liebefähig und erinnerungsfähig sein soll. Geradeso wie man im Leben abwechselt zwischen Wachen und Schlafen und das eine ohne das andere nicht sein kann, darf sich Geistesforschung hinstellen auch in dieser Beziehung neben die Naturforschung, neben das Leben, das verbracht werden muß in Erinnerungs- und Liebefähigkeit, weil die Geistesforschung erstens in ihren Ergebnissen nicht Anspruch macht auf dasjenige, was erinnert werden kann — wir werden übermorgen, wenn wir über die geisteswissenschaftliche Seelenkunde sprechen, sehen, wie es mit dem Gedächtnis eigentlich steht —, wie dasjenige, was der Geistesforschung sich ergibt, das einzige ist, was die menschliche Seele erleben kann, ohne daß Anspruch gemacht wird auf dasjenige, was sonst so notwendig ist im Leben: an die Erinnerungsfähigkeit. Und andererseits muß der Liebefähigkeit gegenüber gesagt werden: durch jenes tiefere Eindringen in das, was sonst aus dem Unterbewußten wie Antipathie heraufkommt, erhöhen wir die Liebefähigkeit, so daß geistige Forschung die Liebefähigkeit nicht zerstört, sondern im Gegenteil erhöht. So wie das Wachen neben dem Schlafen oder das Schlafen neben dem Wachen zur Gesunderhaltung des Menschen notwendig ist, nebeneinander leben können, aber nicht das eine ohne das andere, oder das eine oder das andere, so darf sich aus dem angedeuteten Grunde Geistesforschung neben Naturforschung hinstellen. Trotzdem wird immer klar beweisend darauf hingewiesen werden, warum solche naturwissenschaftlichen Erkenntnisgrenzen da sein müssen, immer wieder und wiederum von naturwissenschaftlicher Seite oder von solchen, die populäre Weltanschauung auf Grund der Naturwissenschaft zu erringen glauben.