Ist Eine Übersinnliche Erkenntnisweise Wissenschaftlich zu Begründen?

GA 73/1918-10-08/p060 ·1918-10-08 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Also ich habe Wille dasjenige genannt, was man im gewöhnlichen Seelenleben erlebt, was eine innere Wahrnehmung ist, was aber immer mehr als unbegreiflich gilt. Die sogenannten naturwissenschaftlichen Psychologen finden das Vorstellen, das Denken in seiner Struktur verwandt mit seiner organischen Natur. Aber sobald sie vom Denken nur ins Fühlen und dann in den Willen kommen, da erklären sie: Da muß man von Wille oder Gefühl höchstens als von Schattierungen — Gefühlsbetonungen, Vorstellungsbetonungen nennt es Theodor Ziehen —, da muß man von Betonungen der Vorstellungen sprechen, denn da findet man nichts mehr, was dem sinnlichen Wahrnehmen analog wäre. Und deshalb entfällt der Wille dem Begreifen, der doch ganz offenbar da ist, und der nur von denjenigen geleugnet wird, die sich nicht nach dem Wirklichen richten, sondern nach dem, was sie, wie sie sagen, naturwissenschaftlich begreifen können. Es ist in der Naturwissenschaft nur Kausalität gültig, und da der Wille nicht kausal wirkt, so sagen sie, ist der Wille nicht da. Aber dasjenige, was da ist, richtet sich nicht nach dem, was man begreifen kann. Das ist nur ein menschliches Vorurteil.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/73/1918-10-08/p060.json
Cite: GA 73/1918-10-08/p060 · edition original