Scientific Disciplines and Anthroposophy
Rudolf Steiner: Nun, Herr Dr. Kolisko hat ja in wichtigen Gesichtspunkten sehr schön darüber gesprochen, wie angestrebt werden könnte, die Chemie zu befreien von denjenigen Denkgewohnheiten, die von vornherein bei dieser Chemie zur atomistischen Hypothese oder sagen wir zum Aufbau der Chemie aus der atomistischen Hypothese geführt haben. Ich möchte im Hinblick auf die Fragen, die gestellt worden sind, zunächst auf eines aufmerksam machen. Mir erscheint die Auffindung des periodischen Systems nicht gerade als etwas unbedingt Neues. Natürlich ist es nicht möglich, in einer kurzen Betrachtung einzugehen auf die große Verschiedenheit, die da vorliegt zwischen unserer chemischen Interpretation der Erscheinungen und älteren Anschauungen über die Konstitution der Materie. Interessant wird das periodische System wohl ganz besonders dadurch, daß man versucht — der Versuch ist, glaube ich, öfter gemacht worden - das periodische System so anzuordnen, daß man die sieben Elemente aufträgt auf eine Kurve, und dann die nächsten sieben Elemente aufträgt auf eine darübergehende Kurve und so weiter, so daß, wenn man Zwischenzustände schafft, man den richtigen Aufbau in einer Spirale bekommt. Wir können das zeichnen: Hier das Lithium zum Beispiel, das Natrium gewissermaßen darüber, und darüber würde das Kalium sein. Es handelt sich darum, daß man ja wirklich mit dem alten Merkurstab etwas verbinden muß wie die Vorstellung eines Universalmittels der Natur: zu schaffen, um die Tatsachen der Natur hervorzubringen. Können wir uns nun vorstellen, daß die Elemente so übereinanderliegen, daß ich sie angeordnet habe nach dem periodischen System, und ich dann diese Elemente verbinde durch solche Linien, die eine Spirale darstellen, dann würde gewissermaßen das Entstehen eines jeden Elementes nur möglich sein unter gewissen Kräftezusammenhängen, die in einem Verhältnis stehen zu einer bestimmten Bewegung dieser Zustände.
Cite:
GA 73a/1920-03-13/p006 · edition original