{"corpus":"steiner","locus":"GA 73a/1920-03-25/p011","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Analysieren Sie doch einmal dasjenige, was man auch im gewöhnlichen Leben Wille nennt. Ich mache Sie auf eine Tatsache aufmerksam, der gegenüber die meisten Menschen sich vorlügen, daß sie es wollen. Das ist: sie stehen jeden Morgen zu einer bestimmten Zeit auf. Glauben Sie, daß sie das wollen - im echten Sinne des Wortes? Wenn Sie den ganzen Tatbestand analysieren, der sich ausspricht in diesem Morgens-Aufstehen, dann kommen Sie ebensogut oder ebensoschlecht zum Wollen, wie wenn Sie von der Uhr sagen, daß sie morgens 8 Uhr schlägt. Das ist ein Tatsachenkomplex, wenn die Uhr 8 Uhr schlägt. Wenn sich eines Menschen Beine aus dem Bett bewegen, die Hände greifen nach diesem oder jenem, dann ist das ein anderer Komplex von Tatsachen. Und daß man in dem einen Falle von Automatismus, in dem andern Falle von Willen spricht, das, meine sehr verehrten Anwesenden, das beruht nur auf einer Illusion beziehungsweise auf einer konfusen Psychologie. In Wahrheit wird der Mensch erst in die Möglichkeit versetzt, von Wollen zu sprechen, wenn er sich gerade annähert dem reinen Denken und dann über das reine Denken sich zur Erfassung übersinnlicher Wahrheiten erhebt. Dann gliedert sich ein oder ergießt sich, möchte ich sagen, in seinen Organismus das wirkliche Wollen - das Wollen, das wirklich Wollen genannt werden kann. Und alles, was an Impulsen auch in den Traditionen da ist für ein wirkliches Wollen, ist durchaus nicht entsprungen aus der automatenhaften Tätigkeit, die heute fast zur Gewohnheit aller Menschen geworden ist, sondern aus älteren Zeiten, wo es noch - wenn auch auf atavistische Art, mehr instinktiv - ein vom gewöhnlichen Lebensautomatismus unabhängiges Wollen gegeben hat.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Fragenbeantwortung","site_heading":null,"date":"1920-03-25","location":null,"word_count":268,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/73a/1920-03-25/p011","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/73a/1920-03-25/p011"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/73a/1920-03-25/p011","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}