Geisteswissenschaft, Natur: Wissenschaft, Technik Geisteswissenschaft, Naturwissenschaft, Technik
Was heißt das eigentlich? Es heißt, in sich die innere Disziplin zu begründen, hinschauen zu können, geradeso wie man sonst auf die äußeren Objekte hinschaut, auf das, was man endlich in der Seele hat, wenn man bei einem solchen Grenzbegriff ankommt; ich könnte Ihnen viele andere nennen, als die, die ich eben genannt habe. Dann, wenn man versucht, mit Abstraktion von allem übrigen Erleben streng den ganzen Umfang des Seelischen auf solche Begriffe zu konzentrieren, dann macht man eine innerliche Entdeckung. Und diese innerliche Entdeckung, sie hat etwas Erschütterndes. Nämlich sie zeigt uns, daß von einem gewissen Punkte des Lebens aus, des inneren Lebens aus, unsere Begriffe etwas werden, was durch sich selbst in unserer Seele wächst, was anders sich verhält nach solcher inneren meditativen Arbeit, als es sich verhält, wenn wir es nur als das Resultat äußeren Beobachtens nehmen. So wie wir beim heranwachsenden Kinde beobachten, wie gewisse Organe, die zuerst mehr undifferenziert hervortreten, differenzierter werden, wie wir wahrnehmen, wie Organe wachsen, so fühlen wir bei einer solchen meditativen Hingabe an die Resultate wissenschaftlichen Erlebens, wie ein innerliches Wachstum der Seele stattfindet. Und dann kommt das Erschütternde, daß man sich sagt: Nicht durch eine Spekulation, nicht durch spekulative Philosophie kommt man weiter über das hinaus, was man die Grenze des Naturerkennens nennt, sondern durch unmittelbares Erleben, also dadurch, daß man dasjenige umwandelt, was man durch Denken gewonnen hat, in innerliches Erleben des Anschauens.
Cite:
GA 73a/1920-06-17/p010 · edition original