Geisteswissenschaft, Natur: Wissenschaft, Technik Geisteswissenschaft, Naturwissenschaft, Technik
Das ist die eine Seite. Die andere Seite dieses inneren Erlebens bezieht sich mehr auf die innere Willensentwicklung des Menschen. Wir können, indem wir unser Leben betrachten, hinsehen auf Verwandlungen, die wir im Leben durchgemacht haben. Wir denken zurück, wie wir in innerlich-seelischer, in äußerlich-leiblicher Verfassung waren vor einem, vor fünf, vor zehn Jahren, und wir sagen uns: Wir haben Veränderungen, Verwandlungen durchgemacht. - Diese Veränderungen, diese Verwandlungen, die wir durchmachen, wie machen wir sie durch? Wir geben uns in einer gewissen Weise passiv der Außenwelt hin. Wir brauchen ja nur wirklich zu sagen: Hand aufs Herz, wie weit sind wir aktiv in dem, was wir zunächst durch die äußere Welt geworden sind? Die äußere Welt, Vererbung, Erziehung und so weiter, sie gestaltet uns; und das, was uns darin gestaltet, wirkt weiter nach. Da sind wir in der Regel eigentlich die Passiven. Wenn man nun das umgestaltet in Aktivität, wenn man daraus das bildet, was man im eminentesten Sinne nennen könnte Selbst-Willenszucht, und zwar in der Weise, wie ich es gleich charakterisieren werde, so tritt das zweite Element zu dem hinzu, was wir als erstes Element auf dem Wege der Geistesforschung charakterisiert haben. Wenn man es nämlich dahin bringt - und das kann nur durch methodische Schulung in dem Sinne erreicht werden, wie es dargestellt wurde in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und in anderen Büchern -, wenn man es durch die methodische Schulung dazu bringt, sich zu sagen: ich will mir einmal, wenn auch nur einen kleinen Teil desjenigen, was in mir entstehen soll, vornehmen; ich will mir vornehmen, daß dieses oder jenes eine Eigenschaft von mir werden soll -, und wenn ich es dahin bringe, eine solche Eigenschaft durch eine starke Erregung des Willens wirklich, vielleicht erst nach Jahren, in mir zu erzeugen, wenn ich das, was ich sonst nur passiv im Leben werde, aus mir selber mache, wenn ich meinen Willen, wenn ich es etwas paradox ausdrücken darf, in die Hand nehme und meine Entwicklung voll in die Hand nehme - in einem gewissen Teil kann man es selbstverständlich nur -, dann tritt auch das noch dazu ein, daß dasjenige, was sonst bloß Gedächtnis ist, bloß Erinnerung ist, in einer gewissen Weise zu einem realen Gebiet sich zusammenschließt. Man überschaut gewissermaßen sein Leben wie etwas, was man in einer Reihe überschaut, und man gelangt dann dazu, den Willen in seiner wahren Charaktereigenschaft kennenzulernen.
Cite:
GA 73a/1920-06-17/p017 · edition original