{"corpus":"steiner","locus":"GA 73a/1920-06-17/p022","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wenn man sich das angeeignet hat, was ich in meinem Buche «Vom Menschenrätse» das «schauende Bewußtsein» genannt habe, wenn man sich das angeeignet hat, was aus einem so entwickelten Denken und Wollen hervorgeht, dann weiß man sich in der Tat durch dieses schauende Bewußtsein in einer geistigen Welt — geradeso wie man sich durch seine Augen und Ohren in einer farbigen und tönenden Welt weiß. Es erfüllt sich einem gewissermaßen dasjenige, was in der Umgebung ist, mit Geist. Geradeso wie sich für einen Menschen, der blind geboren ist und operiert wird und von einem bestimmten Moment seines Lebens an die Farben sieht, die Farbenwelt eröffnet, wie für ihn die Welt, die vorher in seiner Umgebung war, nun mit etwas anderem erfüllt wird, so ist es, wenn dieses schauende Bewußtsein eintritt. Es erfüllt sich die Welt, die man bisher gewohnt war, als die Welt der Sinne und des kombinierenden Verstandes anzuschauen, mit Geistigkeit. Und der Geist wird etwas Konkretes. Der Geist wird etwas, das man auch in seiner konkreten Gestaltung verfolgen kann. Man spricht nicht mehr im allgemeinen vom Geist. Wenn jemand im allgemeinen vom Geist spricht, so ist es, wie wenn ein Mensch über eine Wiese geht, wo Blumen stehen. Wenn man ihn fragt: Was ist das für eine Blume und was ist jenes für eine Blume? -, so sagt er uns: Das sind alles Pflanzen, Pflanzen, Pflanzen. — So gestattet man den Menschen heute auch zu sagen: Hinter der Sinneswelt ist eine geistige Welt. - Dabei kann aber die Geisteswissenschaft nicht stehenbleiben, sondern sie muß die geistigen Tatsachen im Konkreten so untersuchen — weil eben die geistige Welt um uns herum ist wie die farbige oder die tönende Welt -, wie man sonst mit den Sinnen und dem kombinierenden Verstand diese farbige und tönende Welt untersucht. Und da eignet man sich vor allem anderen eine ganz bestimmte Art an, sich zur Welt zu stellen. Es ist ja auch so, daß, wenn man blind geboren ist und plötzlich sehend wird, man sich ein anderes Verhältnis zur Welt aneignet. Man muß sich erst orientieren; man weiß nichts über die Raumperspektive, man muß sie erst lernen. So muß man sich natürlich auch ein bestimmtes Verhältnis, eine bestimmte Stellung zu der Welt aneignen, wenn man in das schauende Bewußtsein übergeht. Dann erscheint einem manches in einer eigenartigen Weise. Deshalb wird der Geistesfoscher von den Zeitgenossen noch mißverstanden.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Geisteswissenschaft, Natur: Wissenschaft, Technik Geisteswissenschaft, Naturwissenschaft, Technik","site_heading":null,"date":"1920-06-17","location":null,"word_count":394,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/73a/1920-06-17/p022","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/73a/1920-06-17/p022"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/73a/1920-06-17/p022","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null},"other_renderings":{"loci":[{"locus":"GA 75/1920-06-17","ga":"75","lecture":"1920-06-17","kind":"reprint","relation":"the same text served under another volume (a reprint or another edition)"}],"note":"The same lecture is also served at the loci listed, each with how it relates to this one. They are ONE witness, not independent attestations: quote the rendering you fetched, and do not cite another as corroborating it. Wording differs between translations, so a quotation found in one need not occur in the other."}}