Geisteswissenschaft, Natur: Wissenschaft, Technik Geisteswissenschaft, Naturwissenschaft, Technik

GA 73a/1920-06-17/p033 ·1920-06-17 · original (original)
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Dann schaut man wohl zurück in frühere Zeiten der Menschheitsentwicklung und sagt sich: In diesen früheren Zeiten der Menschheitsentwicklung haben die Menschen ja kaum vom Geiste gesprochen. Und die Art und Weise, wie sie vom Geiste gesprochen haben, sie ist traditionell erhalten geblieben in verschiedenen religösen Bekenntnissen, die man heute wahrhaftig, wenn man ganz ehrlich ist und nicht doppelte Buchführung des Lebens führen will, nicht mit den Ergebnissen der gewöhnlichen Naturwissenschaft vereinigen kann. Diese geistigen Erlebnisse, so muß man sagen, sind aus einer ganz anderen Bewußtseinsverfassung der Menschen entsprungen. Das, was wir gelernt haben durch die drei bis vier Jahrhunderte, in denen die naturwissenschaftlichen Methoden heraufgezogen sind, was uns geworden ist als Seelenverfasssung durch die kopernikanische, die galileische Denkweise, durch Kepler, indem wir in der neueren Zeit durchgegangen sind durch alles das, was abgezogen hat die technischen Gesetze aus naturwissenschaftlichen Gesetzen, dadurch haben wir nicht bloß Ergebnisse erlangt, dadurch ist auch die ganze zivilisierte Menschheit in einer gewissen Art erzogen worden. Die ganze Konfiguration der Seele ist eine andere geworden, wahrhaftig nicht, indem wir theoretischer geworden sind, sondern indem wir bewußter geworden sind, indem wir notwendigerweise durch die Entwicklung der Menschheit gewisse instinktive Zustände früherer Zeitalter verlassen mußten. Und wir blicken zurück auf das, was frühere Zeitalter als Geistigkeit empfunden haben, die sich in religiösen Traditionen erhalten hat, und wir sagen uns: Was damals als Geistigkeit da war, das wurde im menschlichen Instinkt erfaßt. Von dem konnte man nicht sagen, daß dazu notwendig sei ein solches Heraufheben des Bewußtseins aus den Methoden der Naturwissenschaft, aus den Methoden des sozialen Erlebens der neueren Zeit. Da sprachen die Menschen so, daß ihnen, indem sie die Naturerscheinungen sahen, gewissermaßen diese Naturerscheinungen den Geist, von dem sie redeten, mitgaben. Wie hat etwa ein alter zivilisierter Ägypter zu der Welt gestanden? Er schaute hinauf, verfolgte den Lauf der Sterne, die Konfiguration des Sternenhimmels. Er sah nicht bloß dasjenige in diesem Sternenhimmel, was Kopernikus, Galilei, Kepler gesehen haben, sondern er sah etwas, was für ihn zugleich ein Geistiges offenbarte. Geradeso wie, wenn ich meinen Arm bewege, ein Seelisch-Aktives dieser Handbewegung zugrundeliegt, so fühlte der Mensch früherer Zeitepochen in dem, was äußerlich geschah, dasjenige, was als Geistiges diesem äußerlichen Geschehen zugrundeliegt, aber instinktiv.

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Cite: GA 73a/1920-06-17/p033 · edition original