Geisteswissenschaft, Natur: Wissenschaft, Technik Geisteswissenschaft, Naturwissenschaft, Technik
Und so haben sich die Menschen allmählich daran gewöhnt, in dem überschaubaren Experiment den Interpreten der Natur zu haben, gewissermaßen das Naturgesetz da zu verfolgen, wo man die Bedingungen seiner Offenbarung selber verfolgen kann. Diese experimentierende Methode ist aber noch immer verknüpft mit einer gewissen inneren Sehnsucht, die früher das Erkennen durch und durch getragen hat. In jenen alten Zeiten, als es noch keine Technik, noch keine Naturwissenschaft in unserem Sinne gegeben hat, war dasjenige, was man als Wissenschaft betrachtete, vor allen Dingen aus der Erkenntnis-Sehnsucht hervorgegangen, aus der Sehnsucht, zu erkennen, zu erforschen, «was die Welt im Innersten zusammenhält», wenn ich mich so ausdrücken darf. Jetzt, nachdem die experimentierende Methode aufgetreten ist, ist es nicht die Erkenntnis-Sehnsucht allein, sondern die Sehnsucht, das nachzuschaffen, was die Natur bildet. Aber es lebt die alte Erkenntnis-Sehnsucht noch fort. Man schafft das nach, was man im Experiment vor sich haben will, um durch das, was man da überschaubar hat, die Natur selber zu enträtseln. So ist mit einer gewissen Selbstverständlichkeit in der neueren Zeit aus dieser experimentierenden Methode die Technik erwachsen, und mit der Technik haben wir eine neue Phase begonnen.
Cite:
GA 73a/1920-06-17/p036 · edition original