Geisteswissenschaft, Natur: Wissenschaft, Technik Geisteswissenschaft, Naturwissenschaft, Technik

GA 73a/1920-06-17/p040 ·1920-06-17 · original (original)
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Wenn ich aber das vor mir habe, was ich selber geformt habe als ein technisches Gebilde, so stehe ich dazu anders. Das kann man empfinden, sogar empfinden als etwas radikal Bedeutsames im Erleben des modernen Menschen, der aus seiner technischen Bildung heraus hinblickt auf das, was die Technik in dem modernen Leben geworden ist. Wenn ich ein technisches Gebilde habe, das ich herauskonstruiert habe aus der Mathematik, aus der theoretischen Mechanik, da habe ich etwas vor mir, was in sich abgeschlossen ist. Und lebe ich in dem, was im Grunde genommen der Umfang alles technischen Schaffens ist, so habe ich nicht bloß ein Abbild der Naturgesetze vor mir, sondern in dem, was aus den Naturgesetzen heraus zu technischen Gebilden geworden ist, steht tatsächlich etwas Neues vor mir da. Es ist etwas anderes, was da als Gesetze den technischen Gebilden zugrundeliegt, als das, was auch der unorganischen Natur zugrundeliegt. Es ist nicht bloß so, daß die Gesetze der unorganischen Natur einfach übertragen werden, sondern so, daß der ganze Sinn des Gebildes gegenüber dem Kosmos ein anderer wird, indem ich als frei schaffender Mensch das, was ich sonst erlebe, aus der Gestaltung physikalischer oder chemischer Untersuchungen heraus in das technische Gebilde hineinversetze.

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Cite: GA 73a/1920-06-17/p040 · edition original