{"corpus":"steiner","locus":"GA 73a/1920-06-17/p051","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Indem ich zu Ihnen spreche, spreche ich zu Kommilitonen, welche in einer anderen Lage sind. Viele unter Ihnen sind wohl in dem Alter, wo ich jene Lenzeshoffnung erlebt habe; jetzt erleben sie etwas, was sehr unähnlich ist den Phantasien, die dazumal aus den Lenzeshoffnungen heraus vor die menschliche Seele getreten sind. Aber derjenige, der so erfüllt ist von der Möglichkeit und Notwendigkeit geistigen Erkennens wie der, der vor Ihnen spricht, der kann niemals pessimistisch sein gegenüber der Kraft der Menschennatur; der kann nur optimistisch sein. Und deshalb erscheint es mir durchaus nicht als etwas, was ich nicht als ein Mögliches vor meine Seele hinstelle, daß, wenn Sie einmal das Alter erreicht haben, in dem ich heute vor Ihnen spreche, Sie den umgekehrten Weg durchgemacht haben - jenen umgekehrten Weg, der aus der Kraft der menschlichen Seele, vor allen Dingen aus der Geisteskraft der menschlichen Seele, nun wiederum aufwärts führt. Und weil ich an den Menschen glaube aus Geist-Erkenntnis heraus, so glaube ich, daß man nicht reden kann wie Spengler von einem Untergang, einem Tod der abendländischen Zivilisation. Sondern indem ich an die Kraft der Seele glaube, die in Ihnen lebt, glaube ich, daß wir wiederum zu einem Aufstieg kommen müssen. Denn dieser Aufstieg wird nicht von einem leeren Phantom bewirkt, sondern vom menschlichen Willen. Und ich glaube so stark an die Wahrheit der Ihnen geschilderten Geisteswissenschaft, daß ich überzeugt davon bin: Dieser Wille der Menschen kann getragen werden, kann einen neuen Aufstieg bewirken, kann eine neue Morgenröte bewirken. Und deshalb, meine verehrten Anwesenden, möchte ich schließen mit dem Wort, das mir in die Ohren tönte als jungem Studenten, als der neue Rektor für Mechanik und Maschinenbau in Wien seine Rektorats-Antrittsrede hielt, dazumal für Menschen, die auch an einen neuen Aufstieg glaubten, und mit Recht daran glaubten, wenn auch nachher nur einseitig ein technischer Aufstieg, nicht ein sozialer, nicht ein politischer Aufstieg kam. Jetzt aber stehen wir in einem Zeitraum, in dem wir ja, wenn wir nicht verzweifeln wollen, nur an einen Aufstieg denken können, denken müssen. Deshalb sage ich, was jener Mann dazumal zu uns jungen Leuten gesagt hat: «Kommilitonen, ich schließe damit, daß derjenige, der ehrlich empfindet mit der Entwicklung der Menschheit gegenüber dem, was entstehen soll aus aller Wissenschaft, aus aller Technik, daß der nur sagen kann: Immer vorwärts!»","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Geisteswissenschaft, Natur: Wissenschaft, Technik Geisteswissenschaft, Naturwissenschaft, Technik","site_heading":null,"date":"1920-06-17","location":null,"word_count":381,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/73a/1920-06-17/p051","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/73a/1920-06-17/p051"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/73a/1920-06-17/p051","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null},"other_renderings":{"loci":[{"locus":"GA 75/1920-06-17","ga":"75","lecture":"1920-06-17","kind":"reprint","relation":"the same text served under another volume (a reprint or another edition)"}],"note":"The same lecture is also served at the loci listed, each with how it relates to this one. They are ONE witness, not independent attestations: quote the rendering you fetched, and do not cite another as corroborating it. Wording differs between translations, so a quotation found in one need not occur in the other."}}