Geisteswissenschaft, Natur: Wissenschaft, Technik Geisteswissenschaft, Naturwissenschaft, Technik
Wenn man nun durch eine gewisse innere Anschauung den Blick auf das richtet, was sich da in uns selbst vollzieht, wenn man also einmal versucht, das Subjekt zum Objekt zu machen, dann stellt sich heraus, daß dieses Denken, das man da entwickelt, nun nicht bloß etwa so definiert werden kann, daß es da wäre, um irgendeine Außenwelt abzubilden oder um die Tatsachen einer Außenwelt zu kombinieren. Ich muß in dem, was so über das Denken gedacht wird, noch einen letzten Rest jener alten Teleologie sehen, jener alten Zweckmäßigkeitslehre, die überall nicht nach dem Warum fragt, sondern nach dem Wozu, die nicht fragt, wie es kommt, daß die ganze Organisation des Menschen oder irgendein anderer Organismus oder ein Organ wie die Hand in einer bestimmten Weise gestaltet ist, sondern die fragt, wie sich zu einem gewissen Zweck diese Hand eben zweckmäßig gestalten müßte. - Das wird, wenn man sich dessen auch heute nicht mehr bewußt ist oder noch nicht bewußt ist, auch ausgedehnt auf die Betrachtung des Denkens. Man fragt: Wozu ist das Denken eigentlich da? - Man macht sich das nicht immer klar, aber man fragt es unbewußt. Das Denken, so meint man, das Erkennen überhaupt, sei dazu da, daß man eine äußere Welt in sich gewissermaßen hineinsauge, daß man das, was zuerst draußen ist, in seinem Innern habe, wenn auch nur im Bilde. Nun aber kann man realistisch, aber natürlich geistig-realistisch verfolgen, was das Denken eigentlich ist. Dann merkt man, daß dieses Denken durchaus eine reale Kraft ist, die uns selber gestaltet.
Cite:
GA 73a/1920-06-17/p057 · edition original