Geisteswissenschaft, Natur: Wissenschaft, Technik Geisteswissenschaft, Naturwissenschaft, Technik

GA 73a/1920-06-17/p058 ·1920-06-17 · original (original)
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Sehen Sie, diese Geisteswissenschaft, von der ich hier spreche, ist nicht eine abstrakte Theorie, nicht irgend etwas, was nur eine Weltanschauung in Ideen sein will. Unter anderem habe ich in der letzten Zeit hier einen pädagogischen Kursus gehalten, in dem ich versuchte, die Geisteswissenschaft auf die Pädagogik anzuwenden. Es war ein Kursus für die Lehrerschaft, bevor die Waldorfschule begründet wurde. Außer diesem pädagogischen Kursus habe ich auch einen Kursus gehalten, der versuchte, aus der Geisteswissenschaft heraus das Therapeutische der Medizin zu ergreifen und zu zeigen, wie gerade aus geistigem Forschen Lichter fallen können auf dasjenige, wozu man eigentlich niemals vollständig gelangt, wenn man nur mit den heutigen Methoden der Physiologie und der Biologie forscht. Nun, ich möchte Ihnen nicht etwas speziell Therapeutisches sagen, aber ich möchte doch eines erwähnen, um die Methode zu charakterisieren, das ist, daß ja heute in der gebräuchlichen Philosophie eigentlich immer nur spekuliert wird über den Zusammenhang des Geistig-Seelischen mit dem Leiblich-Körperlichen. Da gibt es allerlei Theorien über Wechselwirkungen, über Parallelismus und so weiter, allerlei materialistische Deutungen der Seelenvorgänge. Aber man hat eigentlich immer in einer gewissen Abstraktion vor sich auf der einen Seite « Beobachten des Geistig-Seelischen, auf der anderen Seite das des Leiblich-Physischen, und man spekuliert dann, wie diese beiden miteinander in ein Verhältnis kommen können. Geisteswissenschaft studiert wirklich methodisch — aber eben mit demjenigen Denken, das da erweckt wird -, wie das Seelisch-Geistige im Leiblich-Physischen wirkt. Und auch wenn ich mich vielleicht manchem Mißverständnis aussetze, daß das, was ich sage, als paradox genommen wird, will ich eines herausheben:

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Cite: GA 73a/1920-06-17/p058 · edition original