Geisteswissenschaft, Natur: Wissenschaft, Technik Geisteswissenschaft, Naturwissenschaft, Technik
Also darum handelt es sich, daß in der Tat nicht bloß durch irgendeine phantastische Ausgestaltung, sondern durch ein wirkliches Weiterführen das Denken sich entwickelt, das aber einfach durch einen Grenzzustand oder Kritikzustand durchgehen muß. Bei diesem Durchgehen durch den Grenzzustand wird eben das Denken etwas anderes. Sie dürfen nicht sagen, daß die Einheit des Denkens damit irgendwie zerstört wird. Es wird zum Beispiel die Kraft, die im Eis wirkt, nicht etwas, was nicht mehr sein darf, wenn das Eis zergeht durch Schmelzen und zu Wasser wird. Und die Kraft, die im Wasser wirkt, wird nicht etwas anderes, wenn das Wasser durchgeht durch den Siedepunkt und durch die Verdampfung. So handelt es sich darum, daß an dem Punkt, den ich als einen Entwicklungspunkt für das Denken charakterisiert habe, diese Denkkraft durchgeht durch einen solchen Grenzzustand und dann allerdings in einer anderen Form erscheint, so daß sich das Erleben vom früheren Erleben unterscheidet wie Dampf von Wasser. Dadurch kommt man aber dazu, die Denkkraft selbst, das Denken - ich könnte dasselbe auch vom Wollen beweisen - als etwas zu verstehen, was real im Menschen wirkt. Man sieht dann in der Denkkraft, die man später im Leben hat, dasjenige, was im kindlichen Alter im Leibe gewirkt hat. Es wird also gerade in einer merkwürdigen Weise alles zur Einheit.
Cite:
GA 73a/1920-06-17/p062 · edition original