{"corpus":"steiner","locus":"GA 73a/1921-01-12/p008","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Ich will ausgehen von einem Gebiet, das ja besonders charakteristisch ist, weil es demjenigen, der auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht, die ganze Diskrepanz zeigt zwischen einer wirklichkeitsgemäßen Anschauung und einer solchen Anschauung, die aus allerlei theoretischen Voraussetzungen heraus konstruiert ist und trotzdem glaubt, gerade die Wirklichkeit zu treffen. Wie gesagt, dieses Gebiet ist besonders charakteristisch, weil es auf der einen Seite diese Diskrepanz zeigt und auf der anderen Seite zeigt, wie weit entfernt eigentlich die heutige gewöhnliche Wissenschaftsbetrachtung von dem ist, was die hier gemeinte Geisteswissenschaft sein will und wodurch Geisteswissenschaft die einzelnen Fachwissenschaften befruchten will. Ich meine das Gebiet der Optik, insbesondere das Gebiet der Farbenlehre. Man wird ja heute selbstverständlich sofort als wissenschaftlicher Dilettant abgetan, wenn man aufmerksam macht auf die Frage, ob die Goethesche Farbenlehre eine Berechtigung habe oder diejenige Farbenlehre, die heute die von der Physik anerkannte ist. Nun, das Wesentliche bei der Sache ist ja dieses, daß Goethe niemals auch nur irgendeine wissenschaftliche Untersuchung machen wollte, ohne den Menschen in das ganze Weltengefüge hineinzustellen. Er will nicht eine vom Menschen abgesonderte wissenschaftliche Untersuchung machen; er rückt daher auch alles Experimentieren mit den Farben an den Menschen selber heran.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zweiter Vortrag","site_heading":null,"date":"1921-01-12","location":null,"word_count":194,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/73a/1921-01-12/p008","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/73a/1921-01-12/p008"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/73a/1921-01-12/p008","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}