Zweiter Vortrag

GA 73a/1921-01-12/p011 ·1921-01-12 · original (original)
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In Goethes Sinn handelt es sich bei der Farbenlehre durchaus darum, die Betrachtung der Farben im Zusammenhang mit demjenigen anzustellen, was im menschlichen Organismus selber vorgeht. Sie brauchen ja nur die Goethesche Farbenlehre aufzuschlagen, und Sie werden sehen, daß Goethe zunächst ausgeht von den physiologischen Farben, von dem Verhalten des Auges, das er aber im Grunde genommen anders betrachtet, mit einer anderen Einstellung betrachtet, möchte man sagen, als man es heute tut. Heute betrachtet man das Auge eigentlich so, daß man es sich herausgenommen denkt aus dem ganzen menschlichen Organismus, daß man es gewissermaßen aussondert von diesem Organismus, daß man es als einen optischen Apparat betrachtet und nun versucht kennenzulernen, wie — wenn dieses Auge herausgenommen ist aus dem Organismus, wenn es als optischer Apparat betrachtet wird -, wie dann sich die Eindrücke auf das Auge, die Reize auf das Auge und so weiter darstellen. Versuchen Sie sich nur einmal zu vergegenwärtigen, wie diese Anschauungsweise eigentlich vorgeht. Wenn man sich irgend etwas gegenüber dem Auge verdeutlichen will, wenn man irgendwie die Frage beantworten will: Wie verhält sich das Auge zu irgendeinem sichtbaren Objekt? -, kann man ja bei dieser Anschauungsweise fast gar nicht anders, als das Auge selbst in irgendeinem Durchschnitt auf die Tafel zu zeichnen, von dem Objekt Linien zu führen nach dem Auge und so weiter; dann kann man sich noch fragen: Wie verhalten sich die verschiedenen Glieder des Auges zu demjenigen, was da einen Reiz ausübt?

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Cite: GA 73a/1921-01-12/p011 · edition original