Zweiter Vortrag
Wir haben also zunächst das äußere Spektrum, und wir haben an diesem äußeren Spektrum den Unterton der seelischen Erlebnisse. Wir stehen also mit unseren Sinnen, mit dem Auge, gegenüber der äußeren Welt, und wir können nicht das Auge anders einstellen, als daß meistens, wenn auch oft sogar unbewußt oder unterbewußt, seelisches Erleben mit unterläuft. Wir nennen das, was da durch das Auge erlebt wird, die Empfindung. Wir sind nun gewöhnt, meine sehr verehrten Anwesenden, das, was an der Empfindung erlebt wird, seelisch erlebt wird - an dem sich also ein Reiz, der herrührt von dem objektiv Ausgebreiteten, als Empfindung darstellt -, das Subjektive zu nennen. Aber Sie sehen aus der Art und Weise, wie ich das gerade in Anlehnung an Goethe dargestellt habe, daß wir gewissermaßen ein Gegenspektrum, ein seelisches Gegenspektrum aufstellen können, das ganz genau in Parallele gebracht werden kann mit dem äußeren optischen Spektrum.
Cite:
GA 73a/1921-01-12/p018 · edition original