{"corpus":"steiner","locus":"GA 73a/1921-01-12/p026","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Verfolgt man tatsächlich dasjenige, was man unbefangen betrachten kann als die Sinnesvorgänge und als die motorischen Vorgänge, so wird man in Wirklichkeit keinen Anhaltspunkt finden, um eine solche Unterscheidung der Nerven vorzunehmen. Aber wenn man nicht von einseitigen, sondern von totalen Voraussetzungen ausgeht, wird man genötigt sein, ebenso nach innen hin Empfindungsvermittlungen vorauszusetzen, wie man Empfindungsvermittlungen nach außen anerkennt. So wie man die Empfindungsvermittlung durch den Nerv von außen her anerkennt, wodurch man innerlich zum Bewußtsein irgendeiner Entität der Außenwelt kommt, ebenso notwendig ist es, daß ein Bewußtsein vermittelt wird von dem, was innerlich im menschlichen Organismus gelegen ist; es ist notwendig, daß ein wirkliches Empfinden desjenigen auftritt, was innerlich im menschlichen Organismus gelegen ist. Und man wird, wenn man die Untersuchung in dieser Weise fortsetzt, in den sogenannten motorischen Nerven nichts anderes finden als diejenigen Nerven, welche ebenso die Wahrnehmungen des Körperinnern vermitteln, wie die sogenannten sensitiven Nerven die äußeren Entitäten vermitteln. Wir haben auf der einen Seite Nerven, welche uns in Zusammenhang bringen mit der Außenwelt; wir haben auf der anderen Seite Nerven, die uns in Zusammenhang bringen mit unserer eigenen inneren Welt. Es ist ganz selbstverständlich, daß, wenn unsere Sehnerven nicht funktionieren und wir blind sind, wir nicht nach einem Gegenstand greifen können; und wenn der motorische - aber in Wahrheit der sensitive - Nerv, der vermitteln soll, daß ein Glied eine Bewegung ausführen soll, wenn der nicht in uns ist, so nehmen wir einfach das betreffende Glied, die betreffenden Vorgänge in dem Glied nicht wahr, und wir können die Bewegungen nicht ausführen. Ein wirklich konsequentes Denken zeigt uns durchaus, daß wir uns dasjenige, was motorische Nerven genannt wird, als Empfindungsnerven vorzustellen haben - nur als solche, die die inneren Empfindungen vermitteln, die Empfindungen des eigenen Körperinnern, der Vorgänge im eigenen Körperinnern. Sie werden sich überzeugen, daß, wenn Sie eine solche Vorstellung, wie ich sie eben vor Sie hingestellt habe, nun wirklich auf das anwenden, was heute durchaus schon empirisch gegebene Tatsachen sind, Sie dann überall das, was diese empirischen Tatsachen darstellen, widerspruchsfrei durchschauen können, und daß derjenige, der wirklich konsequent denkt, mit den Theorien, wie sie zum Beispiel existieren von dem Unterschied der sensitiven und motorischen Nerven, eigentlich doch nichts anfangen kann, weil sie in Wirklichkeit fortwährend zu Widersprüchen führen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zweiter Vortrag","site_heading":null,"date":"1921-01-12","location":null,"word_count":374,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/73a/1921-01-12/p026","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/73a/1921-01-12/p026"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/73a/1921-01-12/p026","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}