{"corpus":"steiner","locus":"GA 73a/1921-01-12/p028","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Und wenn wir uns wiederum umschauen nach einem anderen Gebiet des heutigen Forschens, dann müssen wir sagen: Wir haben heute ein merkwürdiges Gebilde zum Beispiel als Psychologie. Sehen Sie sich nur das an - aber sehen Sie es an mit gesunder Urteilskraft -, was Theodor Ziehen zum Beispiel seine «physiologische Psychologie» nennt. Da werden Sie zunächst auf die Tatsache hingewiesen, daß wir Vorstellungen haben. Da werden auch die Vorstellungen in bezug auf ihre Qualitäten untersucht, soweit das Beobachtungsvermögen eines solchen Forschers geht. Es werden die Verkettungen, die Assoziationen der Vorstellungen untersucht und so weiter. Es wird also gewissermaßen das Vorstellungsvermögen, so wie es in der empirischen Wirklichkeit gegeben ist, erfaßt. Dann wird diesem psychologischen Vorstellungsfeld mit seinen verschiedenen Prozessen das gegenübergestellt, was die Gehirn-Nerven-Physiologie gibt; und es ist ja nicht zu leugnen, daß sich da wirklich in einem höheren Grade Parallelisierungen ergeben zwischen der Gehirnstruktur und demjenigen, was als die Tatsachen des Vorstellungslebens zutagetritt. Nun umfaßt aber das Seelenleben ja nicht bloß Vorstellungen, es umfaßt auch Gefühls- und Willensimpulse. Und nun sehe man sich einmal an, was in dieser «physiologischen Psychologie» aus dem Gefühl gemacht wird. Es wird einfach statuiert: Gefühle als solche - die ja doch nun wirklich ein recht reales Erleben sind -, die werden überhaupt nicht betrachtet, sondern es wird nur die «Gefühlsbetonung» des Vorstellungslebens betrachtet. Es wird betrachtet, wie mit den Vorstellungen, die sich also nach Assoziationsgesetzen verbinden - der Verbindung entspricht eine gewisse Struktur des Nerven-, des Gehirnbaues -, wie sich damit verbinden die Gefühlsbetonungen. Also diese Gefühlsbetonungen sind Anhängsel des Vorstellungslebens. Es wird gewissermaßen hingewiesen vom Vorstellungsleben auf etwas, was sich so ins Unbestimmte verliert. Es verliert sich ins Unbestimmte die Gefühlsbetonung des Vorstellungslebens.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zweiter Vortrag","site_heading":null,"date":"1921-01-12","location":null,"word_count":280,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/73a/1921-01-12/p028","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/73a/1921-01-12/p028"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/73a/1921-01-12/p028","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}