Zweiter Vortrag
Man kann nicht weiterkommen, wenn man parallelisiert mit dem Vorstellungsleben die Gehirn-, die Nervenstruktur. Man sieht sich gezwungen, vom Vorstellungsleben gar nicht überzugehen zum Gefühlsleben, sondern das Gefühlsleben nur als besondere Betonung des Vorstellungslebens anzusehen. Nun hat man also das Gefühlsleben in der psychologischen Betrachtung verloren. Man hat gerade sein Augenmerk darauf gerichtet, daß die Vorstellungen Gefühlsbetonungen haben - dann verschwindet das Gefühlsleben hinein in ein unbestimmtes X. Wir leben zwar gerade recht real in diesen Gefühlen, aber für den modernen Psychologen verschwinden sie ins Nichts. Etwas, was wir so stark identifizieren mit unserem menschlichen Selbst wie das Gefühlsleben, das soll mit dem Erkennen überhaupt nicht mehr erfaßt werden können.
Cite:
GA 73a/1921-01-12/p029 · edition original