{"corpus":"steiner","locus":"GA 73a/1921-01-14/p003","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Meine sehr verehrten Anwesenden! Es ist oftmals und gewiß mit Recht betont worden, wie in der neueren Entwicklung der Menschheit schädigend eingegriffen hat dasjenige, was man im äußeren Leben die Teilung der Arbeit nennt. Und wer mit unbefangenen Blicken das soziale Leben in seiner Entfaltung in der neueren Zeit überschaut, der muß sich allerdings sagen, in welch tiefgreifendem Maße es auf die Individualitäten der Menschheit gewirkt hat, daß die Persönlichkeit in früheren Zeiten Dinge verrichtet hat, an die sie gewissermaßen auch seelisch gebunden war. Man denke nur, welch innere Befriedigung im alten Handwerk lag, wo dasjenige, was man verfertigte, durchschaubar war in bezug auf seine Stellung in dem ganzen Zusammenhang der menschlichen Umgebung. Das Türschloß, das ehemals verfertigt worden ist von dem Handwerker, es konnte ihm Freude machen, weil er den Weg überschauen konnte, den es nahm von seiner Hand bis zu seiner Bestimmung. Wie anders sind die Dinge heute, wo der einzelne Mensch Tag für Tag, Stunde um Stunde irgendein einzelnes Glied eines großen Ganzen verfertigt, ohne irgendwie ein Interesse haben zu können an dem, was da aus seiner Hand oder aus der Maschine vermittelst seiner Hand hervorgeht, weil er ja nicht unmittelbar verbunden ist mit dem Weg, den das betreffende Ding durchmacht von seinem Verfertiger bis zu seiner schließlichen Bestimmung. Diese Teilung der menschlichen Arbeit, die den Menschen gewissermaßen fesseln muß an etwas, woran sein Interesse niemals haften kann, die daher den Menschen in seinem ganzen Leben ungeheuer vereinseitigen muß, diese Teilung der Arbeit, sie wird uns ja, wenn wir morgen den sozialen Prozeß studieren werden, noch besonders beschäftigen müssen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Dritter Vortrag","site_heading":null,"date":"1921-01-14","location":null,"word_count":262,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/73a/1921-01-14/p003","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/73a/1921-01-14/p003"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/73a/1921-01-14/p003","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}