Dritter Vortrag

GA 73a/1921-01-14/p010 ·1921-01-14 · original (original)
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Aber gehen wir jetzt zu einem anderen Gebiet, dann werden Sie sehen, wie da, ich möchte sagen der Geist der Abstraktheit den Menschen ergreift, weil er das, was er auf physikalischem Gebiet entwickelt hat, noch nicht auf einem anderen Gebiet entwickeln kann, weil es noch nicht gelungen ist, die Brücke zu schlagen von einem Fach, das eine gewisse Ausbildung schon erfahren hat, zu einem Fach, das gerade durch die Teilung der Arbeit auf dem Erkenntnisgebiete verstümmelt geblieben ist. Das, was eingetreten ist, indem die einzelnen Menschen sich in ihre Fächer so hineingelebt haben, daß sie sich gegenseitig nicht verstehen, das hat die Wissenschaftlichkeit selbst ergriffen, das hat auch vereinseitigend auf die Wissenschaft selbst gewirkt, weil mächtig geworden ist das Gebiet der anorganischen Naturwissenschaft. Nehmen wir den sich entwickelnden Menschen. Wir sehen, wie der Mensch von der ersten Kindheit an allmählich sich entwickelt, von Jahr zu Jahr, bis er erwachsen ist. Man verfolgt diese Entwicklung einfach in einer geradlinigen Weise. Man redet davon wirklich so, wie wenn das, was der Mensch im zehnten Jahr erreicht, sich nun eben in geradliniger Fortentwicklung ergeben habe aus dem, was er in früheren Jahren war. Man sieht in einer gewissen Zeit der Lebensentwicklung seelische Eigenschaften auftreten; der Mensch bekommt in irgendeiner Weise die Eigenschaft zu denken; er bekommt andere Eigenschaften, die gewissermaßen aus den Tiefen seines Inneren an die Oberfläche des Lebens dringen. Man beachtet den Zusammenhang zwischen den körperlichen und den seelischen Erscheinungen nicht in einer so innigen Weise, wie man es zum Beispiel auf dem physikalischen Gebiet versucht, das ich eben angeführt habe. Aber notwendig ist es, daß man denselben Geist konkreter Beobachtung, welchen man anwendet zum Beispiel auf physikalischem Gebiet, überträgt auf ein Gebiet, wo allerdings die Erscheinungen komplizierter sind.

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