Dritter Vortrag
Versteht man also, wie das Geistig-Seelische mit dem Physisch-Organischen zusammenhängt, so kann man - indem man solche Begriffe, die erst in sich beweglich werden und dadurch auch geeignet sind, innerlich immer reicher zu werden, so daß das Wirkliche immer mehr durchschaut werden kann -, so kann man dann auch gewisse Prozesse am menschlichen Organismus studieren, die nichts anderes sind als das äußere Ausleben dessen, was man da als Innerliches durchschaut, zum Beispiel den Prozeß der Stimmumwandlung, der beim männlichen Individuum zusammenhängt mit der Geschlechtsreife. Es ist ein ähnlicher Prozeß beim weiblichen Individuum vorhanden, nur ist er da mehr über den ganzen Organismus ausgegossen. Man gelangt nur zu einem völligen Verständnis dieser Prozesse, wenn man in einer solchen Weise sieht, wie durch das, was sich in der Stimmumwandlung oder im weiblichen Organismus in anderen Prozessen abspielt, eben die Willensenergie sich innerlicher, durchdringender mit dem Organismus verbindet. Und man gelangt zugleich dazu einzusehen, wie das, was bis zum Zahnwechsel hin sich entwickelt, in seiner Kulmination besonders intensiv sich ausdrückt in der menschlichen Hauptesbildung, in welcher ja die Zahnbildung geschieht, während das, was dann zur Zeit der Geschlechtsreife hervortritt, mehr den ganzen übrigen Organismus, mit Ausnahme des Hauptes, ergreift. Das alles wird in der Anschauung unmittelbar klar. Und dadurch erlangt man eine innere Erkenntnis, eine innere Anschauung des Menschen. Solch ein Vorgehen kann aber wiederum auf die Wissenschaften, die ja ganz besonders an gewisse Erkenntnisgrenzen führen, die zugleich Grenzen, bedauerliche Grenzen der menschlichen praktischen Wirklichkeit sind, solch ein innerliches Eindringen in den menschlichen Organismus kann auf die Wissenschaften ungeheuer befruchtend wirken.
Cite:
GA 73a/1921-01-14/p015 · edition original