{"corpus":"steiner","locus":"GA 73a/1921-01-14/p022","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Aber wenn man diesen Prozeß innerlich durchschaut, gerade als den Prozeß des Menschen, dann wird man nicht mehr Physiologie und Pathologie so nebeneinander zu stellen haben, wie es heute geschieht - Sie brauchen nur irgendein bekanntes Lehrbuch in die Hand zu nehmen —, wo man einfach nacheinander die einzelnen Tatsachen aufzählt, sie registriert, ohne sie bewerten zu können nach ihrem Zusammenhang in der ganzen menschlichen Organisation, so daß derjenige, der am Leitfaden einer solchen sogenannten Wissenschaft geführt wird, nichts hat als einzelne, nebeneinanderstehende Tatsachen. Die Dinge verhalten sich eben durchaus anders. Wir haben im menschlichen Organismus auf der einen Seite das, was die aufbauenden Prozesse sind, und auf der anderen Seite ist - im Sinne der Dreigliederung des menschlichen Organismus, die ich in früheren Vorträgen angeführt habe — auch das andere vorhanden, das die abbauenden Prozesse in sich schließt, da räumlich jeder Aufbauprozeß zu gleicher Zeit von dem Abbauprozeß durchzogen ist. So hat man im menschlichen Organismus nicht einen gradlinig verlaufenden Prozeß, sondern man hat einen Prozeß, der nach einer Richtung verläuft, und ihm kommt ein anderer Prozeß entgegen - ein aufsteigender Prozeß, ein absteigender Prozeß. Diese beiden Prozesse stehen im sogenannten normalen, im gesunden Leben in einem bestimmten Verhältnis zueinander. Macht sich der eine auf Kosten des anderen in seiner Stärke geltend, dann haben wir in einer solchen Tatsache zu suchen das Auftreten des Krankhaften. Und wir werden, wenn wir die Anschauung, die ich hier ausgeführt habe, differenzieren können - und sie kann differenziert werden für die menschliche Organisation bis ins Kleinste -, wir werden die Möglichkeit haben, in einer rationellen Weise einzudringen in den erkrankten Organismus. Nicht mehr stehen uns rätselhaft gegenüber jene zwei Strömungen in der Physiologie, in der Pathologie, sondern wir wissen, daß dieses Gegenüberstehen in einer gewissen Weise notwendig ist für die menschliche Wesenheit, daß aber durch Prozesse, deren Schilderung jetzt zu weit führen würde, ein Vorwiegen des einen oder des anderen eintreten kann — Sie werden das geschildert finden, wenn Sie sich auf die geisteswissenschaftliche Literatur einlassen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Dritter Vortrag","site_heading":null,"date":"1921-01-14","location":null,"word_count":333,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/73a/1921-01-14/p022","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/73a/1921-01-14/p022"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/73a/1921-01-14/p022","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}