Dritter Vortrag
Man kommt dann zum Beispiel dazu zu prüfen, wie zusammenhängt irgendein Prozeß, sagen wir der Säftebewegung im tierischen Organismus mit der Säftebewegung im menschlichen Organismus. Man kommt dazu, von der Pflanze zum tierischen Organismus aufzusteigen und in dem, was in der tierischen Organisation einem entgegentritt, die entsprechenden Vorgänge in der menschlichen Natur zu sehen. Und dann kommt man auch dazu, so etwas zu betrachten wie den Gegensatz, der draußen in dem Prozeß der Pflanzenbildung vorliegt und in dem Prozeß im Menschen. Die Pflanze baut ihren Leib auf Grundlage des Kohlenstoffes auf. Sie setzt in sich den Kohlenstoff ab, den Sauerstoff sondert sie ab. Der Mensch macht einen ähnlichen Prozeß durch in seiner Atmung in Verbindung mit der Blutzirkulation, in der ganzen Aufgabe des Blutzirkulierens — aber was tritt da ein? Da wird der Kohlenstoff an den Sauerstoff gebunden, also Kohlensäure erzeugt. Da haben wir das, was im Pflanzenbildungsprozeß sich konsolidiert, was in einer gewissen Weise äußerlich verlaufend ist, im Ansatz im Menschen vorhanden, aber er hat es dann ausgeworfen. Wir bekommen da eine gewisse Beziehung zwischen dem Pflanzenbildungsprozeß draußen und demjenigen, was beim Menschen der Atmung zugrundeliegt, die den Prozeß verdünnt, abbricht. Und wiederum an die Atmung gliedert sich das an, was sonst im menschlichen Organismus ist, und man kann dann vergleichen dasjenige, was von diesen Prozessen in der menschlichen Organisation an den Abbau gebunden ist und was an den Aufbau gebunden ist in der menschlichen Organisation. Nehmen wir an, man findet irgendetwas in der menschlichen Organisation, was in einer solchen Weise einen Krankheitsprozeß darstellt wie der Beginn, der mißbildende Beginn eines Sinnesbildungsprozesses im Krebs, so kann man, nach demjenigen sehend, was in der äußeren Natur ist, den entgegengesetzten Prozeß suchen. Man wird ihn durch ein Heilmittel in den menschlichen Organismus einführen können und dadurch ebenso heilend wirken, wie es auf den Kohlenstoff im menschlichen Organismus, wenn ich so sagen darf, heilend wirkt, daß der Sauerstoff zugeführt wird. Das ist identisch. So bekommt man eine innere Einsicht in den Zusammenhang zwischen demjenigen, was im Menschen organisiert ist, und der äußeren Natur. Man bekommt eine solche Einsicht, daß man in dem, was in der äußeren Natur entsteht, das Heilmittel in rationeller Weise findet, das für irgendeinen entsprechenden Prozeß im menschlichen Organismus dienen kann.
Cite:
GA 73a/1921-01-14/p027 · edition original