3. Naturwissenschaft und Anthroposophie
Naturwissenschaft und die von ihr abhängige Philosophie - die heute abhängige Philosophie -, sie können gar nicht anders als zunächst ausgehen von dem, was so in die Dinge verwoben ist, daß wir von Notwendigkeit sprechen müssen. Es ist unmöglich, daß wir mit dem Geiste, der heute in der Naturwissenschaft waltet, von etwas anderem ausgehen als von der Notwendigkeit. Und es ist geradezu das Ideal der Wissenschaft, das, was uns in der Außenwelt entgegentritt, als ein System innerlich notwendig zusammenhängender Wesenheiten und Tatsachen zu durchschauen. Man kommt, indem man sich so naturwissenschaftlich forschend ergeht, gerade nicht an das heran, was einem in der inneren Tatsache der menschlichen Freiheit entgegentritt als ein unmittelbares Erlebnis. Man kommt an das eben nicht heran. Und so steht man vor der bedeutungsvollen Frage, die einen wie an einen Erkenntnisabgrund heranführt: Freiheit als unmittelbares Erlebnis ist dir doch gegeben! Warum kannst du dann, indem du gewissermaßen dein mathematisierendes Erkenntnisnetz ausspannst über die naturwissenschaftlichen Tatsachen und dir auf diese Weise ein Weltbild entwirfst, nicht herankommen an das, was doch eben nicht hinweggeleugnet werden kann als ein unmittelbares Erlebnis: die Freiheit!
Cite:
GA 75/1921-06-04_02/p015 · edition original