3. Naturwissenschaft und Anthroposophie
Das hat man zunächst für sein Bewußtsein zu gewinnen, meine sehr verehrten Anwesenden. Und deshalb ist es so schwierig, der Gegenwart auseinanderzusetzen, welches eigentlich der Ausgangspunkt ist für die Wissenschaftlichkeit der Anthroposophie, weil ja, wie vielleicht die meisten von Ihnen wissen, die neuere Philosophie noch immer mehr oder weniger bewußt oder unbewußt ausgeht von dem Satze des Descartes: Cogito ergo sum — ich denke, also bin ich. Man geht also aus von dem großen Irrtum, daß man im Denken irgend etwas erfaßt von einer Realität, von einer solchen Realität, wie man sie sich zunächst als Realität vorstellungsgemäß ausgebildet hat. Gestehen muß man sich zunächst: Was auftritt, indem ich denke, denke ich in Freiheit. Das ist das Erlebnis der Nicht-Realität, das ist ein Erlebnis, das zu gleicher Zeit ein Denkerlebnis und ein Willenserlebnis, ein reines Willenserlebnis, ein Begehrenserlebnis ist.
Cite:
GA 75/1921-06-04_02/p027 · edition original