3. Naturwissenschaft und Anthroposophie

GA 75/1921-06-04_02/p028 ·1921-06-04 · original (original)
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Meine sehr verehrten Anwesenden, dieses Erlebnis ist von einer ungeheuren Bedeutung für das Seelenleben. Es ist so, daß man sich eigentlich lange meditierend ergehen sollte in diesem Erlebnis, bis wir gewissermaßen unser Ich ausgehöhlt empfinden, wenn wir uns vor uns selbst gestehen: Ich denke, und in diesem Denken lebt mein Ich. Es ist so, wie wenn ich hinschaue auf eine farbige Wand, in deren Mitte ein schwarzer Kreis ist. Da ist Dunkelheit, da ist kein Licht. Ich sehe dennoch den schwarzen Kreis. Ich sehe innerhalb des Lichtes den schwarzen Kreis. Wenn ich zum Selbstbewußtsein komme im gewöhnlichen Leben und mir im Selbstbewußtsein gestehe: Indem ich denke, blicke ich nicht in eine Realität, ich blicke, wenn ich mich so ausdrücken darf, in den schwarzen Kreis hinein; in das Nicht-Licht blicke ich hinein, das die Dunkelheit ist. Ich glaube, daß ich eigentlich mich erblicke, weil innerhalb meines Bewußtseinsinhaltes das Ich ausgespart ist. Eben weil innerhalb meines Bewußtseinsinhaltes ein Nichts ist und ich dieses Nicht-Sein in dem Sein erblicke, deshalb halte ich mich zunächst in dem gewöhnlichen Denken für ein Ich. Dieses ist eine fundamentale Tatsache der Psychologie und Philosophie. Daß allerdings vielleicht noch mancherlei Wasser den Rhein hinunterrinnen wird, bevor die Philosophen sich einlassen auf diese Analyse, die dazu notwendig ist, um- nun, ich kann die Sache hier nur andeuten, ich kann nur hinweisen auf das, was da ist. Es kann noch manches in ganz langen psychologisch-philosophischen Darlegungen auseinandergesetzt werden, bis endlich eine solche Analyse gemacht wird.

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